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Melbourne: Schüttlers Abgang durch den Hinterhof

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13.01.2012

Tennis Melbourne: Schüttlers Abgang durch den Hinterhof

Finalist von 2003 schließt schnellen Rücktritt nicht aus.

Melbourne – Rainer Schüttler schulterte seine große Tennistasche, öffnete die Tür, die vom Außenplatz sieben in den abgelegenen Bereich des größten Tennisparks Australiens führt, und verschwand in der Anonymität des noch unbevölkerten Grand-Slam-Geländes. Keine Autogramme, keine Interviews, keine Gefühlsregungen. Mit einer 6:7, 6:0, 6:8-Niederlage nach 2:05 Stunden Spielzeit gegen den Russen Alexander Kudryawtsew in der zweiten Runde der Qualifikation beendete der 35 Jahre alte Korbacher am Freitag vor 100 Zuschauern zumindest seine Australian-Open-Karriere. Letzte Ausfahrt Melbourne.

Der Abmarsch durch den Hinterhof war womöglich der Gang in den sportlichen Ruhestand. Einen Steinwurf entfernt von der gigantischen Rod-Laver-Arena, in der Schüttler vor neun Jahren von 16.000 Zuschauern trotz klarer Dreisatzniederlage im Finale gegen Andre Agassi mit tosendem Applaus verabschiedet worden war.

„Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht. Verdauen, sacken lassen, überlegen: Alles ist möglich“, sagte der inzwischen in der Weltrangliste auf Position 131 abgerutschte Hesse der dapd. Durchaus denkbar also, dass der mit bald 36 Jahren älteste Profi auf der Tour seine definitiv letzte Saison schon nach zwei enttäuschenden Qualifikationsturnieren beendet. Auch in Doha hatte er es vor zwei Wochen nicht ins Hauptfeld geschafft.

In einem dapd-Interview hatte der frühere Weltranglisten-Fünfte erklärt, sein Ziel sei die Rückkehr in die Top 100. Anderenfalls mache die Plackerei keinen großen Sinn mehr. Für weitere Turniere hat der langjährige Davis-Cup-Spieler, der noch ein paar Tage in Australien ausspannen will, bislang nicht gemeldet. Als habe er mit dem Kapitel Tennisprofi bereits abgeschlossen, sagte Schüttler: „Es war eine coole Zeit.“ Und eine finanziell erfolgreiche: Allein an Preisgeld gewann er in 16 Jahren als Profi 7,4 Millionen Dollar.

Schüttlers große Stärke waren seine enorme Athletik und sein unbeugsamer Wille. Zwar kann es der Marathonmann physisch mit den meisten seiner oft nur halb so alten Gegner auch jetzt immer noch aufnehmen, aber dem zuletzt häufiger gesundheitlich angeschlagenen Routinier mangelt es mittlerweile an Konstanz und in den entscheidenden Phasen oft auch an Durchsetzungsvermögen.

Auch in seinem zumindest vorerst letzten Match leistete sich der Finalist von Melbourne 2003, Halbfinalist von Wimbledon 2008 und olympischer Silbermedaillengewinner 2004 im Doppel mit Nicolas Kiefer zu viele Aussetzer. Dennoch sagte Schüttler: „Es hätte in beide Richtungen gehen können.“ So, wie auch seine Entscheidung über die sportliche Zukunft in beide Richtungen gehen kann.

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