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IG Metall prangert Schattenseiten an

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29.03.2012

Leiharbeit IG Metall prangert Schattenseiten an

Arbeitgeber halten dagegen – Arbeitnehmer gehen auf die Straße.

Frankfurt/Main – Die IG Metall sieht einen ungebrochenen Trend zur Leiharbeit und kritisiert deren Schattenseiten. „Es gibt einen ganz gravierenden Missbrauch der Leiharbeit“, sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, in Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur dapd. In der laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektrobranche kämpft die Gewerkschaft deshalb auch für höhere Löhne in der Leiharbeit.

Wetzel zufolge hat die Leiharbeit, die Unternehmen unter anderem zur Erledigung von kurzfristigen Aufträgen nutzen, viele negative Auswirkungen. „Wenn ich höre, was Leiharbeiter berichten, läuft es mir kalt den Rücken herunter“, sagte der Gewerkschafter. „Als Leiharbeiter läuft man Gefahr, seine Würde zu verlieren. Das führt zu sozialen und psychischen Verwerfungen“, fügte er hinzu.

Wetzel stellte am Donnerstag das neue „Schwarzbuch Leiharbeit“ vor, in dem die IG Metall die Ergebnisse einer Umfrage unter Leiharbeitern veröffentlichte. Darin berichten namentlich nicht genannte Leiharbeiter von Zeitarbeit als Dauerlösung für Betriebe, die die Löhne drückt. Außerdem sprechen einige von Schikanen wie Urlaubssperren und Stechuhren vor den Toiletten.

Das ist der IG Metall ein Dorn im Auge: Wetzel argumentiert, dass der übermäßige Einsatz von Leiharbeitern auch der Stammbelegschaft schade. Am Donnerstag kam es zu ersten Aktionen am Rande der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und dem Saarland. Rund 1.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben zu einer Kundgebung in Darmstadt. Die Gewerkschafter machten klar, dass sie mehr Mitspracherechte des Betriebsrats bei Leiharbeit anstreben.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wirft der IG Metall dagegen vor, das Thema Zeit- und Leiharbeit für die Mitgliedergewinnung zu instrumentalisieren. „Wer gegen die Zeitarbeit zu Felde zieht, nur um vor einer Tarifauseinandersetzung Stimmung zu machen und Mitglieder zu werben, fügt der Metall- und Elektro-Industrie und deren Beschäftigten Schaden zu“, erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in Berlin.

Für die Arbeitgebern in der Metall- und Elektro-Branche habe Zeitarbeit eine große Bedeutung. Kein anderes Instrument sei in der Lage, so viele Erwerbslose so schnell wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Auch könne sie bei einer schwankenden Branchen- und Firmenkonjunktur rasch und reibungslos den wechselnden Personalbedarf der Betriebe ausgleichen.

Im Tarifstreit mit den Arbeitgebern fordert die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten und die Übernahme von Lehrlingen. Für die Leiharbeiter will Wetzel einen Branchenzuschlag erreichen, der den gegenwärtigen Durchschnittslohn von 7,80 Euro pro Stunde nach oben treiben dürfte. Außerdem will er einen zusätzlichen Zuschlag je nach Betrieb aushandeln. Insgesamt gibt es der IG Metall zufolge rund eine Million Zeitarbeiter.

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