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Lebenslange Haft für Ehrenmord gefordert

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06.03.2012

Kiel Lebenslange Haft für Ehrenmord gefordert

Tötung eines Irakers vor Bäckerei war laut Anklage „gezielte Bestrafungsaktion“.

Kiel – Wegen eines gemeinsam begangenen sogenannten Ehrenmordes droht drei libanesischen Brüdern und einem Schwager lebenslange Haft. Für einen mitangeklagten, weiteren Bruder forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Kieler Landgericht die Verhängung einer Jugendstrafe von neun Jahren. Die fünf Männer sollen einen Iraker Anfang 2011 vor einer Kieler Bäckerei mit einem „überfallartigen Angriff“ gezielt getötet haben.

Bei dem Opfer handelte es sich um den neuen Lebensgefährten der Frau eines der Angeklagten. Die Frau hatte ihren 33 Jahre alten Partner, mit dem sie nach muslimischem Recht verheiratet war, erst wenige Tage vor der Tat Ende 2010 verlassen und war zu dem anderen Mann gezogen. „Es war eine Familiensache“, sagte Staatsanwalt Matthias Daxenberger am Dienstag in seinem rund zweistündigen Plädoyer.

Nach Überzeugung der Anklage suchten die Brüder und der verlassene Mann gezielt nach ihrem späteren Opfer. Am 7. Januar trafen ihn schließlich zwei der Angeklagten bei der Ausländerbehörde. Sie nahmen per Pkw die Verfolgung auf, telefonierten die anderen Angeklagten heran, bewaffneten sich mit großen Küchenmessern, blockierten den Wagen des Opfers und griffen es gemeinschaftlich an.

„Die Tötung des Ali O. war eine gezielte Bestrafungsaktion“, sagte Daxenberger. Es habe sich nicht um die Eskalation eines Streits gehandelt. Die Angreifer hätten ihre Küchenmesser mit mindestens 30 Zentimeter Klingenlänge unmittelbar vor dem Angriff hoch über dem Kopf in die Luft gestreckt.

Wiederholt hätten die Brüder und der verlassene Mann erfolglos versucht, die Frau und ihren neuen Lebensgefährten auseinanderzubringen. Die Ehre der Familie sei nach ihrem Dafürhalten durch deren Beziehung verletzt gewesen. „Es ging bei der Tat darum, die unerträglichen Demütigungen zu sühnen“, sagte Daxenberger. Die Reputation der Familie habe dadurch wiederhergestellt werden sollen.

Angeklagte schweigen

Der Iraker war am 7. Januar vergangenen Jahres durch diverse Schläge, Tritte und Messerstiche am helllichten Tag getötet worden. Wiederholt soll er während des Angriffs gerufen haben: „Was habe ich getan?“ Mediziner stellten später insgesamt 18 Stichverletzungen fest. Der Mann war vor seinen Angreifern vergeblich in die Bäckerei geflohen. Dort filmte eine Kamera den Angriff. Auch als er im Verlauf der Attacke auf einen Blumenkübel vor dem Geschäft stürzte, sollen die Männer ihn weiter malträtiert haben.

Die Angeklagten selbst machten im Prozess bislang keine Angaben. Zwar gab einer von ihnen via Anwalt eine Erklärung ab und räumte darin die Anwesenheit am Tatort und auch Schläge ein. Die Staatsanwaltschaft hält die Erklärung jedoch für wenig glaubwürdig. Belastet werden die Männer neben den Videoaufnahmen, worauf sie von Zeugen teilweise identifiziert wurden, unter anderem durch Telefondaten und Zeugen-Aussagen. Auf dem Schuh eines der Angeklagten wurden zudem Blutspuren des Opfers festgestellt.

Laut Staatsanwalt Daxenberger ist die Tat die „Manifestation eines archaischen Besitzanspruchs“. Die Lebensgefährtin des Opfers sei bereits das vierte weibliche Familienmitglied, das aus der Großfamilie geflohen ist und nun an geheimem Ort lebe. Sie soll Angst gehabt haben, umgebracht zu werden. Dabei sei die Furcht vor ihren Brüdern größer gewesen als vor ihrem Mann.

Der Prozess wird am 13. März fortgesetzt. Dann wollen die Nebenklage-Vertreter plädieren. Außerdem sollen die ersten Schlussvorträge der Verteidigung erfolgen.

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