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Kupferklau hat Konjunktur

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14.01.2012

Metallklau Kupferklau hat Konjunktur

Edelmetall ist bei Dieben sehr beliebt – Schrotthändler können Hehlerei kaum verhindern.

Frankfurt/Main – Auf einer Baustelle in Frankfurt entwenden Diebe 120 Meter Kupferkabel aus einem Stromverteilerkasten; im nordhessischen Willingshausen werden Kupferbleche vom Dach eines Hochwasserbehälters abgeschraubt; in Kassel wird eine Tonne Kupferkabelschrott aus einem Container geklaut. Nur drei Polizeimeldungen aus der abgelaufenen Woche, die zeigen, dass der Diebstahl von Kupfer derzeit Hochkonjunktur hat. “Da ist so mancher Euro mit zu machen”, sagt der Geschäftsführer des Fachverbandes Metall Hessen, Horst Villmeter.

Kupfer sei “die Krone” der Edelmetalle, die im Alltag nicht in Tresoren lagern. Danach rangieren in der Reihenfolge der Wertigkeiten Messing, Aluminium und Stahl. “Aber selbst unseren Container mit Stahl mussten wir abschließen, weil er uns häufiger mal leer geräumt wurde”, sagt Villmeter. Abnehmer für die Metalle sind überwiegend Schrotthändler.

Der Metallschrott des Verbandes in Oberursel wird von der Verwertungsfirma Conrec im Rodgau abgeholt. “Für ein Kilo Kupfer werden derzeit 5,80 Euro gezahlt, das ist schon ganz ordentlich”, sagt Vertriebsleiter Uwe Titze. Die Recyclingfirma lässt sich beim Ankauf von Schrott generell den Ausweis des Anbieters zeigen. Bei Verdachtsmomenten werde die Polizei eingeschaltet. Wie etwa in einem Fall, als ein Mann 300 Meter neuen Kupferdraht, der noch auf der Rolle war, zum Verkauf anbot.

In den meisten Fällen werde aber schlicht nicht bemerkt, ob der Schrott etwa beim eigenen Entrümpeln oder durch Diebstahl anfalle. Selbst bei so abenteuerlichen Angeboten wie geklauten Bahnschienen schöpfen viele Schrotthändler keinen Verdacht. “Wenn Sie in Bruchköbel Bahnschienen klauen, die dann in Hamburg auf den Hof eines Schrotthändlers kippen und sich als Mitarbeiter einer Abbruchfirma ausgeben, prüft das kein Mensch”, glaubt Titze.

Vielmehr werden die Schrotthändler mittlerweile selbst beklaut, wie Birgit Guschall-Jaik vom Bundesverband Schrott versichert. Beim Diebstahl außergewöhnlicher Gegenstände würden die bundesweit rund 350 angeschlossenen Schrotthändler mittlerweile per Newsletter informiert und vor einem Ankauf gewarnt. “Es kommt auch immer häufiger vor, dass unsere Mitglieder bei dubiosen Angeboten die Polizei rufen, aber es spricht sich dann leider herum, wer so etwas meldet”, sagt Guschall-Jaik. Zur Not gehen große Lieferungen mit geklautem Metallschrott auch gleich ins osteuropäische Ausland. Professionelle Demontagetrupps würden das Diebesgut verladen, “und dann geht es gleich ab auf die Autobahn”, sagt Guschall-Jaik. Abnehmer für begehrte Rohstoffe wie Altmetall gibt es überall. “Die Märkte sind teilweise leer gefegt”, betont Villmeter vom Fachverband Metall.

Daher werden die Diebe immer dreister, wie auch das Pfarrheim im saarländischen Wadgassen erfahren mussten. Dort rissen Täter kurzerhand an fünf Stellen Fallrohre heraus und klauten dann die gesamte Dachrinne aus Kupfer.

Auch in Hessen verwendeten die Diebe in der abgelaufenen Woche ein erhebliches Maß an krimineller Energie, um in den Besitz des begehrten Kupfers zu kommen. So brachen die Täter in Frankfurt einen Stromverteilerkasten auf, durchtrennten zwei Starkstromkabel und transportierten die ummantelten Kupferkabel dann mit einem Fahrzeug ab. Dem Aufwand steht die ziemlich sichere Gewissheit gegenüber, nicht erwischt zu werden. “Die Aufklärungsquote ist verschwindend gering”, weiß Guschall-Jaik anhand der Rückmeldungen ihrer Mitglieder.

In Frankreich dürften Schrotthändler bei Ankäufen mittlerweile kein Bargeld mehr auszahlen, um der unbewussten Hehlerei Einhalt zu gebieten. Der hiesige Fachverband Schrott hält von der Lösung nicht viel. “Das schränkt den Handel unnötig ein”, glaubt Guschall-Jaik. Die Hochkonjunktur für Kupfer wird also anhalten.

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