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Michael Gwisdek mit Paula-Preis 2013 ausgezeichnet

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10.02.2013

Berlinale Michael Gwisdek mit Paula-Preis 2013 ausgezeichnet

Ehrung für Lebenswerk – Schauspieler empfängt stehende Ovationen.

Berlin – Der Schauspieler Michael Gwisdek ist am Sonntag für sein Lebenswerk mit dem diesjährigen Paula-Preis ausgezeichnet worden. Begleitet von stehenden Ovationen empfing der 71 Jahre alte Künstler die Ehrung am Sonntag im Berliner Ludwig-Erhard-Haus. Der Preis wird seit 2010 während der Berlinale vom Progress Film-Verleih und von der Industrie- und Handelskammer Berlin vergeben.

„Paula“ geht an Filmschaffende, die sich um den gesamtdeutschen Film verdient gemacht haben, aber mit ihrer Arbeit bereits den Defa-Film prägten. Die bronzene Frauenfigur ist ein Kunstwerk von Strawalde alias Jürgen Böttcher. Sie erinnert an den Defa-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1972/73). Bisherige Preisträger sind die Schauspielerinnen Katrin Sass (2010), Katharina Thalbach (2011) und im Vorjahr Henry Hübchen.

Laudatorin bezeichnet Gwisdek als Talentverstreuer

Die Publizistin Regine Sylvester bezeichnete Gwisdek in ihrer Laudatio als „heitern Talentverstreuer“. Der Künstler verfüge neben seinem Können über „einen Kopf“, der im Gedächtnis haften bliebe. „Er sieht aus wie ein alter Cowboy, der zu oft hat in die Sonne blicken müssen, der immer noch etwas vorhat, was er aber nicht sagt.“ Er sei ein Schauspieler, der wegen der Schau spiele.

Gwisdek zeigte sich über die Preisverleihung sichtlich gerührt. „Ich bin so ’ne alte Kitschnudel“, bat er um Verständnis für Tränen, um anschließend eine knapp halbstündige Vorstellung seines Könnens abzuliefern: Während seiner Dankesrede demonstrierte er von Lachstürmen des Publikums begleitet die Dreharbeiten für seine erste Leinwandrolle als Cowboy im DDR-Indianerfilm „Spur des Falken“ von 1968. Darüber hinaus erzählte er Anekdoten aus dem Privat- und Arbeitsleben.

Gwisdek nutzt Dankesrede für Schauspiel-Einlagen

Der Preisträger sinnierte über Höhen und Tiefen seines bisherigen Schauspielerlebens. Ihm sei viel Glück widerfahren, gleichwohl habe es auch schwere Zeiten gegeben, in denen er „die volle Prostitution“ des Berufes habe auskosten müssen. Gemessen an seinen Träumen sei er sogar gescheitert. Er habe eigentlich à la Rainer Werner Fassbinder immer Filme in einer kleinen Gruppe von Freunden mit geringstem Aufwand machen wollen. Weil statt der zehn erhofften Filme unter eigener Regie aber letztlich nur drei geworden seien, habe er zumindest als Schauspieler ein „volles pralles Leben“ gehabt. Auch sonst gelte: „Selbst wenn ich der Sohn eines Multimillionärs gewesen wäre, hätte ich dasselbe gemacht.“ Inzwischen genieße er das Leben einfach. Gwisdek merkte ironisch an, nach ersten Überlegungen, ob er den Paula-Preis überhaupt annehme, sei er zu der Ansicht gekommen: „Ja, der ist gerechtfertigt.“ Er verstehe ihn jedoch als Auszeichnung für sein „Halb-Lebenswerk“. Die Ehrung fürs Lebenswerk gedenke er in 20 Jahren entgegen zu nehmen.

Aktuell ist der viel beschäftigte Schauspieler in „Oh Boy“ und ab März in Leander Haußmanns „Hai-Aarm am Müggelsee“ zu sehen. Bekannt wurde Gwisdek zu DDR-Zeiten durch die Rolle eines Boxers in „Olle Henry“ (1983) und die Verkörperung eines homosexuellen Kellners in „Coming Out“ (1989). International beachtet wurde Gwisdek mit seinem Regiedebüt „Treffen in Travers“ um den Dichter Georg Forster. Der 1988 gedrehte Defa-Streifen vereinte die Schauspieler Hermann Beyer, Uwe Kockisch und Gwisdeks Frau Corinna Harfouch.

Beyer und Kockisch waren am Sonntag bei der Preisverleihung anwesend. Ebenfalls unter den Gästen befanden sich Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, Filmkomponist Günther Fischer, Hübchen und Regisseur Peter Kahane.

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