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Berlinale feiert Panahi-Film

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12.02.2013

Feuilleton Berlinale feiert Panahi-Film

Werk mit viel Beifall aufgenommen.

Berlin – Der für Jafar Panahi im Berlinale-Palast reservierte Stuhl ist leer geblieben: Die iranische Regierung ließ den Regisseur ungeachtet aller Appelle nicht zur Weltpremiere seines Dramas „Pardé“ („Closed Curtain“) am Dienstag zu den 63. Filmfestspielen nach Berlin reisen. Der 107-minütige Wettbewerbsbeitrag, der den Freiheitverlust Panahis thematisiert, erhielt viel Beifall. Derweil löste das gegen Panahi verhängte Reiseverbot bei deutschen Politikern und Filmschaffenden einen Proteststurm aus.

Panahi war 2010 zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden – wegen einer Idee für einen Film, offiziell wegen „Propaganda gegen das System“. Am Montag hatte die Bundesregierung den Iran zum wiederholten Male aufgefordert, Panahi ausreisen zu lassen. Das Regime ließ die Appelle verhallen.

Bei der Premiere blieb im Berlinale-Palast ein Platz zwischen Co-Regisseur Kamboziya Partovi und der Schauspielerin Maryam Moghadam frei. An ihm hing ein Zettel mit der Aufschrift „Jafar Panahi“. Bis zuletzt hatte die Berlinale-Leitung auf ein Einlenken Irans gehofft.

Szenenapplaus für Panahi

Die Premiere wurde von den Zuschauern, unter ihnen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), wohlwollend aufgenommen. Als Panahi selbst im Film auftauchte, gab es Szenenapplaus. Partovi kam nach der Vorführung auf die Bühne. Er sagte, es mache ihn sehr traurig, dass Panahi nicht da sei. Dieser sei aber nur physisch nicht präsent. „Seine Gedanken und seine inneren Werte waren heute bei uns.“ Partovi fügte hinzu, er hoffe, dass bei allen künftigen internationalen Vorführungen Panahi die Möglichkeit habe, mit dem Publikum zu sprechen. Und er hoffe zutiefst, dass Panahis Kreativität und Gedanken trotz aller Beschränkungen weiter sprudeln könnten.

Der Film hat nicht nur wegen der politischen Sprengkraft gute Chancen im Bären-Wettbewerb, sondern auch wegen der kunstvollen Verflechtung von Traum, Vision und Realität. In der filmischen Parabel prangern Panahi und Partovi, die beide auch selbst mitspielen, erstaunlich offen und mutig das autoritäre Regime an.

Vor zwei Jahren hatte die Berlinale Panahi, der 2006 mit „Offside“ einen Silbernen Bären gewann, als Juror eingeladen. Sein Jury-Stuhl blieb damals wegen des Ausreiseverbots jedoch unbesetzt.

Filmakademie protestiert

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), forderte indes vom Iran, die Haftstrafe sowie das Berufs- und Reiseverbot gegen Panahi aufzuheben. Er sagte, er appelliere an den Iran, die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte zu achten, zu deren Einhaltung sich das Land selbst verpflichtet habe. Er bedauere es sehr, dass Panahi an der Premiere seines Films nicht habe teilnehmen können.

Die Deutsche Filmakademie erklärte in einem an Präsident Mahmud Ahmadinedschad gerichteten Schreiben, man protestiere „energisch gegen diesen Akt von Willkür“. In dem von Präsidentin Iris Berben unterzeichneten Brief heißt es unter anderem: „Die Geschichte zeigt, die Verbreitung von Ideen und künstlerischen Werken lässt sich behindern, aber nicht unterdrücken. Wir haben besonders in Deutschland erlebt, wie elementar und wichtig Reisefreiheit nicht nur für Kulturschaffende, sondern für alle Menschen ist.“ Iran werde dringend ersucht, das gegen Panahi verhängte Reiseverbot aufzuheben.

Demonstration vor Berlinale-Palast

Partovi sagte, der Film sei „im Geheimen“ gedreht worden. Das sei wegen des Lichts bei den Aufnahmen gar nicht so einfach gewesen. Weder der 52-jährige Panahi noch er wüssten, wie die Behörden im Iran auf den Film, der trotz Berufsverbots entstanden sei, reagieren würden. „Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringt, was dann passieren wird.“ Sie hätten einfach arbeiten müssen. „So wie Arbeiten schwierig ist, ist das Nicht-Arbeiten noch schwieriger, vor allem, wenn man am Zenit seines Schaffens ist.“

Vor dem Berlinale-Palast demonstrierten einige Aktivisten für den iranischen Regisseur. Sie hatten mehrere überlebensgroße Panahi-Figuren aufgestellt mit dem Aufruf: „Ich sollte hier sein.“

Soderbergh präsentiert Psycho-Thriller

Im Wettbewerb starteten am Dienstag neben dem Panahi-Drama zwei weitere Filme. Regisseur Steven Soderbergh stellte den Psychothriller „Side Effects“ mit den Schauspielern Jude Law und Rooney Mara vor. In ihm werden die Machenschaften von Pharmakonzernen untersucht. Soderbergh sagte, er gehe mit fast brachialer Arbeitsweise an seine Filme heran. „Ich gehe jeden Film so an, als sollte er alle zerstören, die ich davor gemacht habe.“

Darüber hinaus kam die französische Schauspielerin Juliette Binoche, die in Bruno Dumonts Wettbewerbsbeitrag „Camille Claudel 1915“ spielt. Der Film erzählt von einer Frau, die sich von ihren Neidern und ihrem ehemaligen Liebhaber Auguste Rodin verfolgt fühlt. Ihre Familie bringt sie deshalb in einer psychiatrischen Anstalt unter.

Am Mittwoch (13.2.) werden erneut Stars zu den Filmfestspielen erwartet: So soll unter anderem Oscar-Preisträger Jeremy Irons kommen, der die Literaturverfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ vorstellt. Die Preisverleihung steigt am Samstag (16.2.). Am Sonntag (17.2.) enden die 63. Filmfestspiele mit einem Publikumstag.

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