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Kritik an Plänen zur Reduzierung von Spielhallen

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03.04.2012

Glücksspiel Kritik an Plänen zur Reduzierung von Spielhallen

Gaststätten überhaupt nicht berücksichtigt.

Stuttgart – Der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel, Tilman Becker, hält die Pläne der grün-roten Landesregierung und der anderen Bundesländer zur Reduzierung von Spielhallen für unzureichend. In dem geplanten Glücksspieländerungsstaatsvertrag würden Gaststätten überhaupt nicht berücksichtigt, sagte der Professor an der Universität Hohenheim am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. Dabei seien vor allem Gaststätten und Imbissbuden das Problem. Hier komme die Hälfte aller Jugendlichen erstmals mit dem Automatenspiel in Kontakt.

Der Glücksspielforscher führte an, das Land wolle mit der Änderung vielmehr baurechtliche Ziele durchsetzen. Geplant seien beispielsweise Mindestabstände zwischen den Spielhallen und ein Verbot von Mehrfachkonzessionen von Spielhallen.

Beides bringe aus suchtpräventiver Sicht aber nichts, bemängelte der Leiter der bundesweit einzigen universitären Forschungsstelle für Glücksspiel. Die Mindestabstände von einigen Hundert Metern zwischen Spielhallen seien aus suchtpräventiver Sicht „zumindest nicht kontraproduktiv“. Dies gelte jedoch für das Verbot der Mehrfachkonzessionen. Diese angestrebten Regelungen dürften nur zu einer Verlagerung des Spiels von den Spielhallen weg und hin zu Gaststätten und Imbissbuden führen.

Gerade dort gebe es jedoch große Defizite beim Jugendschutz, kritisierte der Fachmann. Während in Spielhallen kein Alkohol ausgeschenkt werde, könnten die Spieler in Gaststätten während des Spiels auch Alkohol trinken. Notwendig sind aus Sicht des Experten die Einführung einer personengebundenen Spielerkarte und der Anschluss aller Geldspielgeräte an einen staatlichen zentralen Server mit einer Sperrdatei.

Durch eine Spielerkarte könnten sich Spieler sperren lassen – ähnlich wie in Spielbanken, führte Becker aus. In Spielhallen und Gaststätten sei dies bislang nicht möglich. Andere Länder seien da viel weiter, beispielsweise Kanada, Norwegen oder Australien, wo eine solche Karte bereits eingeführt worden sei.

Studien zufolge sind in Deutschland zwischen 100.000 und 290.000 Menschen süchtig nach Glücksspiel und Wetten. Die Selbstmordquote sei bei dieser Suchtart sehr hoch und der Verschuldungsgrad noch höher als bei Heroinabhängigkeit, sagte Becker.

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