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NATO könnte sowjetische Fehler wiederholen

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21.02.2013

Afghanistan NATO könnte sowjetische Fehler wiederholen

Die USA wollen weniger Soldaten im Land lassen als erwartet.

Bischkek – Macht der letzte am Hindukusch das Licht aus? Die Ankündigung von Generalleutnant Douglas Lute, dass das US-Militär sich in Afghanistan nach 2014 mit weniger als 10.000 Soldaten engagieren werde, setzt Natopartner wie Deutschland unter Druck.

Denn deren Rückzugsstrategie fußt auf der Fortsetzung von Finanzhilfe und auf Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. „Wir lassen Afghanistan nicht im Stich“, betont Außenminister Guido Westerwelle (FDP) regelmäßig. Ende 2014 sollen keine deutschen Kampftruppen mehr in Afghanistan stationiert sein.

Doch den USA kann es nicht schnell genug gehen. US-Präsident Barack Obama kündigte Anfang des Jahres das Einsatzende am Hindukusch an. Ende Februar sollen schon die Hälfte der 63.000 US-Soldaten heimgeholt werden. Und nach 2014 werden nach Generalleutnant Lute weniger als 10.000 Soldaten in Afghanistan stationiert bleiben – zu wenig für die Planung der Nato, um die Stabilisierung und Ausbildung der afghanischen Streitkräfte sicherzustellen.

Der Bürgerkrieg nach dem Rückzug 1989

Denn ohne eine langfristige Unterstützung der afghanischen Regierung und Armee droht eine Neuauflage der afghanischen Tragödie nach dem Abzug der Sowjetarmee im Jahre 1989.

Als die letzte sowjetische Panzereinheit über die Freundschaftsbrücke bei Termes in der damaligen usbekischen Sowjetrepublik Afghanistan verließ, konnte sich die Regierung unter dem vom Kreml eingesetzten Muhammad Nadschibullah in Kabul nur solange halten, wie die sowjetische Militär- und Finanzhilfe aus Moskau fortbestand. Mit dem Zerfall der Sowjetunion kollabierte auch das Regime in Kabul. Und Afghanistan war bis zum Terroranschlag 2001 in New York in der internationalen Wahrnehmung kaum noch vorhanden.

Die verschiedenen, sich untereinander bekämpfenden Mudschaheddin-Fraktionen waren zwar in der Lage, die afghanischen Hauptstadt zu erobern, aber als Folge versank das Land in einen jahrelangen Bürgerkrieg, der weite Teile von Kabul zerstörte und den Aufstieg der Taliban ermöglichte. Nadschibullah wurde erst unter Hausarrest gestellt, und nach der Einnahme der afghanischen Hauptstadt 1996 von den Taliban gelyncht.

Noch heute sind die afghanischen Bürgerkriegsparteien von damals und deren Helden mächtig. Raschid Dostum und die Getreuen des 2001 ermordeten Kriegsfürsten Achmadscho Massuds sichern bisher noch die Präsidentschaft des jetzigen Präsidenten Hamid Karzai. Aber sollte sich die westliche Militär- und Finanzhilfe empfindlich verringern, könnten auch diese von der Fahne gehen. Eine Weisheit am Hindukusch besagt: Einen afghanischen Kriegsfürsten kann man mieten, aber nicht kaufen. Zudem kontrollieren die Taliban faktisch wieder weite Teile des Landes.

USA ohne Basis im Hinterland

Noch suchen die USA händeringend nach einer Basis im nördlich von Afghanistan gelegenen Zentralasien. Bisher allerdings ohne Erfolg. Zurzeit operieren die US-Luftstreitkräfte vom Flughafen Manas der kirgisischen Hauptstadt Bischkek aus. Aber das hat 2014 ein Ende. Der kirgisische Präsident Almasbek Atambajew hat sich festgelegt, dass der Flughafen danach nicht mehr von den US-Streitkräften genutzt werden darf. Bisher versucht der US-Gesandte für Zentralasien, Robert Blake, vergeblich, den kirgisischen Staatschef umzustimmen. Doch Atambajew steht bei Russland im Wort. Moskau hält sich die kirgisische Regierung mit milliardenschweren Investitionszusagen gewogen.

Usbekistan hat eine amerikanische Basis ebenfalls ausgeschlossen. Bis 2005 operierten US-Kampfflugzeuge auch von dort aus. Das autoritäre Regime des usbekischen Präsidenten Islam Karimow warf die US-Truppen hinaus, nachdem Washington die Menschenrechtsverletzungen dort kritisiert hatte.

Zwar können die USA wieder die Transitrouten durch Usbekistan nutzen. Und das Land ist ein wichtiger Partner der Nordversorgungsroute der Nato für den Afghanistaneinsatz. Aber bisher will Taschkent keine langfristige US-Militärpräsenz im Land akzeptieren.

Selbst bei der tadschikischen Regierung kommen die USA nicht voran. Der US-Gesandte Blake befindet sich gerade wieder in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. Allerdings wird Präsident Emomali Rachmon Washington gegen den Willen Russlands keine Zusagen machen können.

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