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Konstante im Gladbacher Höhenrausch

© dapd

01.03.2012

Filip Daems Konstante im Gladbacher Höhenrausch

Kapitän Filip Daems ist seit 2005 in Gladbach, von Favre lernt er immer noch Neues.

Mönchengladbach – Filip Daems ist kein Lautsprecher. Ruhig und bedächtig redet der Belgier über den aktuellen Höhenflug seines Vereins. Hin und wieder lächelt der 33-Jährige. In nunmehr sieben Jahren bei Borussia Mönchengladbach hat er mehr Tiefen als Höhen erlebt – ein Abstieg, ein Aufstieg, sieben Trainer und unzählige Spielerwechsel. Doch Daems ist die Konstante des Klubs. Umso mehr kann der Kapitän das ruhige Fahrwasser genießen. „Wir haben jetzt die beste Mannschaft, seit ich hier bin“, sagt Daems im dapd-Interview. Und der Verein habe endlich an Stabilität gewonnen.

Stabilität, die lange fehlte. Oder Kontinuität, die der Klub vergeblich suchte. Und für die der Belgier inzwischen steht. „Die Spieler kommen und gehen nicht mehr so sehr. In den ersten Jahren wurden 7 bis 8 Spieler geholt und andere sind gegangen“, erinnert sich Daems, der selbst Bestandteil des Gladbacher Kaufrausches war. Unter dem Niederländer Dick Advocaat bediente sich das „Kaufhaus des Westens“ überall dort, wo etwas zu holen war. Vladimir Ivic, Bernd Thijs, Milan Fukal, Marek Heinz oder Craig Moore – nur wirklich eingefleischten Gladbachern dürften diese Namen noch ein Begriff sein. Im Januar 2005 wechselte auch Daems vom türkischen Klub Genclerbirligi an den Niederrhein. Warum genau, weiß man wahrscheinlich gar nicht mehr.

Was er beim fünfmaligen Meister vorfand, war ein heilloses Durcheinander. Morddrohungen gegen Advocaat, Fans auf den Barrikaden und den Abstieg vor Augen. Womöglich hat sich der Belgier kurz gedacht, wo er denn eigentlich gelandet sei. Doch Daems drückt das diplomatisch aus. „Natürlich wünscht man sich, wenn zu einem neuen Verein kommt, dass es direkt gut läuft“, sagte Daems. Die zusammengewürfelte Mannschaft habe Zeit gebraucht, die man nicht gehabt habe. „Das ist Fußball. Es ist normal, dass es unruhig wird, wenn es mal nicht so läuft“, sagt Daems.

Sieben Jahre später läuft es endlich bei der Borussia. Platz drei, die Champions League vor Augen. Und Daems, seit 2009 auch Kapitän, immer noch mittendrin. Denn nie war er so wertvoll wie heute. Der Schnellste war der Belgier noch nie, auffällig schon gar nicht, flinke Flankenläufe nicht sein Ding. Aber unter Trainer Lucien Favre ist der Linksverteidiger aus dem Kollektiv nicht mehr wegzudenken. Favre habe nicht nur die Mannschaft besser gemacht, sondern auch Daems selbst, der mit 33 Jahren noch „einige Dinge“ lernen konnte: „Wie man besser verteidigen kann. Wie man mit der Körperhaltung Dinge besser entscheiden und einschätzen kann. Das hilft.“

Auf dem Platz hilft vor allem die Ruhe und Abgeklärtheit, die Kritiker ihm schnell mal als Lethargie auslegten. „Ich versuche, durch meine Einstellung auf dem Platz ein Vorbild zu sein“, erklärt Daems, der auch vom Elfmeterpunkt eiskalt ist. Seit April 2009 verwandelte er in der Liga zehn von zehn Strafstößen. „Warum soll ich mich anders darstellen als ich bin?“, fragt Daems und liefert die Antwort gleich mit: „Einen lauten Kapitän empfinden manche Leute vielleicht als besser. Aber jeder hat seine eigene Art. Laut zu werden oder zu schreien – ich weiß nicht, ob das hilft.“

Seine Einstellung half dem Belgier aber über die wohl schwerste Zeit seiner Karriere hinweg. Wegen einer Fersenverletzung stieg Daems mit der Borussia 2006/2007 tatenlos in die 2. Liga ab. „Wenn so etwas passiert ist, kommt man als Fußballer stärker zurück“, sagt Daems. Und auch die knapp 17 Millionen Euro Ablöse für Marco Reus sollen helfen, die Borussia auf Kurs zu halten: „Der Verein wird das Geld gut investieren, um auch nächstes Jahr eine gute Mannschaft auf dem Platz stehen zu haben.“ Er weiß, dass es auch anders geht.

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