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Knobloch wirft Grass „Schmierentheater vor

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04.04.2012

Grass-Gedicht Knobloch wirft Grass „Schmierentheater“ vor

Ex-Präsidentin des Zentralrates der Juden: Atom-Gedicht des Schriftstellers zeugt von Größenwahn.

München/Berlin – Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, wirft dem Schriftsteller Günter Grass wegen seines neuen Gedichtes zum Atomkonflikt mit dem Iran ein „durchschaubares Schmierentheater“ vor. Knobloch am Mittwoch auf dapd-Anfrage, Grass habe „nie einen Hehl aus seiner Sicht auf Israel gemacht“. Nun suggeriere er aber, die angebliche Wahrheit scheinbar unter Schmerzen „aus sich herauszupressen“, weil er es nicht verantworten könnte, sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Grass warnt in dem in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Gedicht unter anderem, die Atommacht Israel gefährde „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“. Das Land verfüge über „wachsendes nukleares Potential“. Grass fügte hinzu: „Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er missachtet wird; das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig.“

Knobloch entgegnete: „Grass verdreht die Tatsachen. Der Iran ist die Bedrohung für den Weltfrieden – und Israel ist die einzige Demokratie in der gesamten Region und zugleich der einzige Staat auf der Welt, dessen Existenzrecht öffentlich angezweifelt wird.“ Die „unsägliche Darstellung“ von Grass zeuge „bestenfalls von geopolitischer Unwissenheit und schlimmstenfalls von Bösartigkeit und einer Delegitimierung Israels“.

Die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland fügte hinzu: „Das Maß an Größenwahn, welches in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt, ist schon bemerkenswert.“ Es sei „geradezu tragisch und nicht frei von Peinlichkeit“, für wie maßgeblich und unentbehrlich für den öffentlichen Diskurs Grass sich und seine Meinung halte.

„Ein klassischer Fall für Fremdschämen“

„Vor lauter Selbstüberhöhung verschweigt er, dass seine ‚Breaking News‘ allesamt inhaltlich schon tausend und ein Mal ausgesprochen wurden – von ihm und vielen anderen – zugegebenermaßen noch nicht in Gedichtform“, sagte Knobloch weiter. Grass‘ Verse seien „ein klassischer Fall für Fremdschämen“.

Knobloch unterstrich: „Nach der Lektüre, an deren Ende er sich Hilfe für die Menschen, ‚die in dieser vom Wahn okkupierten Region‘ leben, wünscht, bin ich nicht sicher, was oder wer hier von Wahn okkupiert wird. Fest steht: Alter schützt vor Torheit nicht – und wie man im Falle Grass sehen kann, heilt Alter Torheit auch nicht.“

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