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Kollektives Schweigen nach Frühchen-Tod

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09.02.2012

Klinikum Bremen Kollektives Schweigen nach Frühchen-Tod

Wichtige Zeugen verweigern Aussage vor Bremer Untersuchungsausschuss.

Bremen – Wichtige Zeugen für die Aufklärung des Todes mehrerer Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte haben am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss ihre Aussage verweigert. Der nach Bekanntwerden der tödlichen Infektionswelle auf der Frühgeborenen-Station entlassene Chefarzt Hans-Iko H. ließ seine Entscheidung von seinem Anwalt mit dem laufenden Ermittlungsverfahren gegen ihn begründen. Der Anwalt weiterer Ärzte und Hygienefachkräfte gab an, dass sich seine Mandanten durch eine Aussage möglicherweise selbst belasteten. Der Untersuchungsausschuss kritisierte das Verhalten der Zeugen.

Der Anwalt des früheren Chefarztes H., Wolf Martin Nentwig, kündigte für einen späteren Zeitpunkt eine Aussage seines Mandanten an. “Sobald er die Vorwürfe kennt”, fügte Nentwig hinzu. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 58-jährigen H. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Anwalt Nentwig sagte, H. sei noch nicht von der Staatsanwaltschaft angehört worden. Zudem sei die fristlose Entlassung des Kinderarztes vom Klinikverbund Gesundheit Nord bislang nicht begründet worden.

Ausschuss hofft auf Teilaussagen von Zeugen

Erich Joester, der Anwalt der anderen Mitarbeiter der Frühgeborenen-Station, die eine Aussage verweigern, argumentierte, dass möglicherweise noch gegen sie strafrechtlich ermittelt werden könnte. Zeugen sind grundsätzlich zu einer Aussage verpflichtet, können ihre Aussage aber verweigern, wenn sie sich selbst belasten würden.

Die Vorsitzende des Ausschusses, Antje Grotheer, sagte, das Gremium werde das Gespräch mit Joester suchen. Sie hoffe, dass die Klinik-Mitarbeiter zumindest zu einer Teilaussage bereit seien. Der Ausschuss habe eine Analyse dessen zu liefern, “was schief gelaufen ist”. Ohne wichtige Zeugenaussagen sei dies nicht möglich. Sie schloss den Weg zum Amtsgericht nicht aus, um Zwangsgelder für die Zeugen zu beantragen, die ihre Aussage dauerhaft verweigern.

Auf der von Kinderarzt H. geleiteten Frühchenstation war 2011 bei 25 Babys wegen Hygienemangels ein multiresistenter Darmkeim festgestellt worden, mehrere Frühchen starben. Die Klinikleitung geht von drei toten Babys aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sechs Todesfällen. Chefarzt H. wurde nach Bekanntwerden des Keimausbruchs im November 2011 fristlos entlassen. Die Klinikleitung wirft ihm schwere Versäumnisse vor. In der nächsten Woche will der Ausschuss die Geschäftsführung des Klinkums Bremen-Mitte befragen.

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