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Kleine Schritte machen

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31.01.2012

Hitoshi Takeda Kleine Schritte machen

Interesse an japanischer Management-Methode Kaizen nimmt zu.

Stuttgart – Hitoshi Takeda springt auf die Bühne in einem Stuttgarter Hotel. Der Mann mit Brille trägt Anzug und Krawatte. Er gestikuliert viel, zeigt hier auf einen Manager im Publikum, reckt dort die Faust zur Decke. Ein Dolmetscher übersetzt die Ausführungen des Japaners ins Deutsche. “Es ist besser, wenn 100 Leute einen Schritt gehen, als wenn einer 100 geht”, ist so ein Satz von ihm.

Es klingt wie in einem Seminar zum glücklicheren Leben mit Buddha. Doch Takeda ist Management-Berater. Er reist um die Welt und lehrt seine vom “Kaizen” abgeleitete Philosophie – das japanische Wort bedeutet “Veränderung zum Besseren”.

Takeda nennt seine Methode das synchrone Produktionssystem. Der ehemalige Toyota-Manager entwickelte sie aus dem System von Toyota weiter, das Unternehmen wurde damit zum einst größten Autohersteller der Welt. Dort schaute sich unter anderem auch Porsche seine Produktionsmethoden ab. Von Takeda ließen sich auch das Management des weltweit führenden Dübelherstellers Fischer oder des Laserspezialisten Trumpf beraten.

Es geht vor allem um die Sichtbarmachung von Arbeitsschritten. Der Arbeitsplatz muss so einfach strukturiert sein, dass ein Fehler sofort auffallen würde. Verschwendung soll vermieden werden.

Das ist auch das Ziel von Christian Bartholomay, Geschäftsführer des Kaizen-Instituts in Bad Homburg. Wenn er zur Beratung neu in eine Firma kommt, hat er Plastikaugen dabei. “Die sind dafür da, dass wir sehen lernen”, sagt er. Wenn ihm in einem Bereich Unproduktivität auffällt, legt er dort ein Plastikauge hin und macht ein Foto. Am Ende bekommt jeder Mitarbeiter ein Plastikauge überreicht.

Im Büro des Instituts in Bad Homburg ist jede Verschwendung nahezu ausgemerzt. Am Flipchart sind Stifte befestigt, und hinter jedem Stift ist eine Farbe. “Wenn da ein Stift fehlt, sehen Sie das gleich”, sagt Bartholomay. Visuelles Management nennt er das.

Offenbar wollen immer mehr Firmen hierzulande die japanische Philosophie umsetzen. Das Kaizen-Institut hat seit 2006 seien Umsatz verdoppelt, wie Bartholomay berichtet. Und das Interesse ist nicht verwunderlich. Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen betrage eins zu neun, sagt Bartolomay. Das heißt, bei einer Million Euro Investition kann das Unternehmen mithilfe der Methoden neun Millionen Euro herausholen.

Nur lässt sich der Erfolg schwer darstellen. Und Bartholomay muss auch zugeben: “Das kann Ihnen jeder Controller totrechnen.” Zudem wendeten nur zwei von zehn Firmen die Methoden erfolgreich an. Wichtig ist laut Bartholomay, dass in der Unternehmensführung der unbedingte Wille da ist, dies umzusetzen.

Allerdings kann die Kaizen-Gemeinde mit Erfolgen aufwarten, die zeigen, dass die Methoden funktionieren. Beim Wettbewerb “Fabrik des Jahres” der Managementberatung A.T. Kearney gewannen mehrfach vom Kaizen-Institut beratene Firmen. Oder Porsche: Die Stuttgarter gelten als profitabelste Autobauer der Welt.

Das Sendungsbewusstsein ist hoch. So gründeten Porsche und Fischer beispielsweise nach den guten Erfahrungen im eigenen Betrieb jeweils eigene Beratungsgesellschaften. Seit 2004 bietet die Fischer Consulting GmbH ihre Dienste an und berät bei der Einführung schlanker Prozesse in der Produktion, aber auch in der Administration.

Letztendlich kommt es auf Überzeugungstäter an. So wie Klaus Fischer, der das Unternehmen über 30 Jahre führte und im vergangenen an seinen Sohn übergab, “Wenn jemand führen kann, dann begeistert er die Mitarbeiter. Er sagt: Verändern wir jeden Tag”, erklärt Fischer. Dies setzten seine Mitarbeiter jeden Tag um, berichtet Fischer begeistert. Wenn ein Problem auftaucht, dann würden Workshops gemacht und Standards gebildet, damit dieses Problem nicht mehr auftaucht. “Dann ist es gelöst.”

Takeda würde das gefallen. “Jeder Mitarbeiter ist in der Lage in einer Stunde 20 Verschwendungen zu entdecken – mindestens”, ruft er den versammelten Managern von der Bühne zu.

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