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13.06.2010

Kirgisischer Lynchmob tötet 30 usbekische Dorfbewohner

Bischkek – Im Süden des zentralasiatischen Kirgistan hat ein Lynchmob aus kirgisischen Aufständischen heute offenbar 30 usbekischstämmige Dorfbewohner getötet. Lokalen Medienberichten zufolge wurde ein weiteres usbekisches Dorf zu großen Teilen durch Brände zerstört, Informationen über Tote oder Verletzte liegen hier noch nicht vor. Damit ist die Zahl der Todesopfer der kirgisischen Unruhen seit letzten Donnerstag auf über Hundert angestiegen, tausende wurden verletzt. Von usbekischer Seite wird eine bisher unbestätigte, viel höhere Todeszahl von 520 genannt.

Die zweitgrößte Stadt des Landes, Osch, ist inzwischen von zahlreichen Bränden betroffen und die Lebensmittelversorgung der Stadt ist zusammengebrochen und befindet sich offiziell im Kriegsrecht. Die Polizei ist in weiten Teilen machtlos gegen die aufständischen meist jungen Männer, die in Dschalalabad die Universität in Brand gesteckt, eine Polizeistation besetzt und einen Schützenpanster gestohlen haben. Die Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa hat seit Freitag den Ausnahmezustand verhängt und die russische Regierung um militärische Hilfe ersucht, bisher aber keine Unterstützung erhalten.

Das kirgisische Militär hat inzwischen die Erlaubnis zur Feuereröffnung ohne Vorwarnung bekommen. Seit dem Sturz des letzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew im April ist es immer wieder zu Aufständen vor allem zwischen türkischstämmigen, kirgisischen und usbekischen Bevölkerungsgruppen bekommen. Otunbayeva warf in einer Rede am gestrigen Tag der Familie des ehemaligen Präsidenten vor, die Aufstände durch gezielte Übergriffe auf beide Ethnien anzustacheln.

Die Interimsregierung von Otunbayeva hatte vor allem von Seiten der Usbeken Unterstützung erhalten, während viele Kirgisen hinter dem früheren Präsidenten stehen. Tausende Usbeken flüchten derzeit nach Usbekistan, die Grenzen wurden von Otunbayeva geöffnet. Unterdessen ist unklar, in welchem Ausmaß auch usbekische Männer an den Gewalttaten verantwortlich sind.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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