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Fahnder halten Handy-Fahndung für unverzichtbar

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01.04.2012

Kindesmissbrauch Fahnder halten Handy-Fahndung für unverzichtbar

Tatverdächtiger in U-Haft – DNA-Ergebnis „binnen der nächsten Tage“ erwartet.

Berlin – Die Ortung des mutmaßlichen Vergewaltigers einer Berliner Grundschülerin über dessen Handy belegt Ermittlern zufolge den Sinn des Fahndungsinstruments. „Dieser Erfolg zeigt, wie wichtig die Funkzellenabfrage sein kann, um schwere Straftaten aufzuklären“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Sonntag auf dapd-Anfrage. Die „Berliner Morgenpost“ zitierte einen Polizeisprecher mit den Worten: „Datenschutz ist zweifellos wichtig, Kinderschutz aber auch.“

Der 30-jährige Mann, den die Ermittler der Vergewaltigung eines achtjährigen Mädchens auf einer Schultoilette verdächtigen, war am Samstag in die Justizvollzugsanstalt Moabit eingeliefert worden. Bis zum Prozessbeginn bleibt er dort in Untersuchungshaft. Dem Mann werden schwerer Kindesmissbrauch und Bedrohung mit Waffen angelastet. Bislang hat er zu den Vorwürfen geschwiegen.

Der Tatverdächtige war am Freitag in seiner Wohnung im Stadtteil Wedding von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) gestellt worden. Zuvor hatten Polizisten Verstärkung in die Kameruner Straße beordert, weil der Beschuldigte dort einen Dobermann hielt. Zudem lagen Hinweise auf den Besitz einer Schreckschusspistole und gefährlicher Messer vor.

Funkzellenabfrage mit richterlicher Genehmigung

Der Tatverdächtige war am 1. März auf dem Gelände der Humboldthain-Grundschule in Wedding Lehrern aufgefallen, die misstrauisch wurden. Da er jedoch den Namen eines Lehrers nennen konnte und vorgab, auf diesen zu warten, ließ man ihn offenbar gewähren.

Anschließend soll er dem Mädchen während einer Pause auf die Toilette in einem Nebengebäude der Schule gefolgt sein. Dann habe er den Raum verriegelt, die Achtjährige vergewaltigt und sei unerkannt geflohen. Die DNA des Mannes wird derzeit mit Spuren am Tatort abgeglichen, mit dem Ergebnis rechnete ein Polizeisprecher „binnen der nächsten Tage“.

Der Anklagebehörde zufolge ist der 30-Jährige bereits wegen Betrugs und Körperverletzung vorbestraft. Medienberichte, wonach es sich um einen ehemaligen Schüler der Grundschule handeln soll, wollte ein Sprecher nicht bestätigen. Der 30-Jährige sei laut seiner Selbstbeschreibung in einem sozialen Netzwerk zwar von 1988 bis 1994 auf die Grundschule gegangen. Ob dies aber auch wirklich zutreffe, sei noch offen.

Auf die Fährte des Mannes brachte die Polizei neben den Tatortspuren und Zeugenaussagen auch die sogenannte Funkzellenauswertung: Ermittler hatten mit richterlicher Genehmigung alle zur Tatzeit eingeschalteten Handys im Umfeld der Schule geortet, darunter befand sich auch das Handy des mutmaßlichen Täters. Das Fahndungsinstrument der Funkzellenabfrage gilt in Berlin als umstritten. Kritisiert wurde etwa die breite Anwendung bei der Suche nach Autobrandstiftern.

Die zahlreichen Hinweise auf den Täter hatten sich am Donnerstag schließlich so verdichtet, dass das SEK am Folgetag in der nur drei Kilometer vom Schulgebäude entfernten Wohnung des Mannes zugriff.

Weiterer Vorfall in Frohnau wohl nicht sexuell motiviert

Kritik daran, dass die Staatsanwaltschaft den Fall öffentlich gemacht und damit das Mädchen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt habe, wies der Sprecher zurück. „Natürlich haben wir eine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit, besonders gravierende Straftaten öffentlich zu machen.“ Auf Bitten der Ermittler hätten sich die frühzeitig informierten Medien jedoch so lange zurückgehalten, bis der Mann ermittelt worden sei.

Eine Verbindung zu einem zweiten Sexualdelikt an einer anderen Berliner Schule im Stadtteil Frohnau besteht nach Aussage eines Polizeisprechers höchstwahrscheinlich nicht. Dort soll ein Mann am 7. März versucht haben, sich an einem Kind zu vergehen. Betroffen war nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ ein Mädchen der Victor-Gollancz-Grundschule. Demnach flüchtete der Täter unverrichteter Dinge, als eine andere Schülerin hinzukam.

In einem weiteren Fall in Friedenau ergriff ein Mann Mitte Februar die Hand eines kleinen Mädchens, dass auf dem Weg zur Fläming-Grundschule war. Nach Polizeiangaben wehrte sich das Mädchen jedoch, woraufhin der Mann losließ und unerkannt verschwand. Das Landeskriminalamt prüft mögliche Zusammenhänge mit anderen Vorfällen. Bislang liegen aber „keine Anhaltspunkte für sexuell motiviertes Tatgeschehen“ vor.

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