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Keine Gesichtsscanner in Fußballstadien

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02.02.2012

Polizeigewerkschaft Keine Gesichtsscanner in Fußballstadien

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fan-Projekte befürchtet Überwachungsstaat.

Frankfurt/Main – Der Vorschlag zur Einführung von Gesichtsscannern in Fußballstadien stößt auf breite Ablehnung. “Alle Zuschauer vor einem Spiel zu scannen – das ist aus meiner Sicht weder zumutbar für die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fußball-Fans, noch praktikabel für die Vereine”, sagte DFL-Ligapräsident Reinhard Rauball am Donnerstag in Frankfurt am Main. Zuvor hatten bereits die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Fan-Vertreter den Vorstoß des Innenministers von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), abgelehnt.

“Es ist Irrsinn, ein Sicherheitssystem aufzubauen, das nur über totale Überwachung funktioniert, insbesondere wenn eine Rechtsgrundlage fehlt”, sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut der “Bild”-Zeitung (Donnerstagausgabe). Das Problem der Fußball-Chaoten sei insbesondere in der 4. oder 5. Liga damit nicht zu lösen. Reinhard Rauball zeigte sich zudem von Caffiers Forderungen überrascht. Sie würden sich nicht mit dem Inhalt der mit dem bisherigen Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU), geführten Gespräche decken: “Insofern haben diese Vorschläge eine neue negative Qualität”, sagte Rauball.

Auch die Reaktion einiger Innenminister der Länder ist dem”Bild”- Bericht zufolge eher verhalten. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) favorisiert zur Gewaltprävention im Fußball das personalisierte Eintrittsticket. Ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums sagte “Bild.de”, man sehe mit Interesse den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie entgegen. Auch FDP-Rechtsexperte Marco Buschmann lehnt die Forderung nach dem Einsatz von Gesichtserkennungssoftware in Stadionkameras ab.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fan-Projekte nannte den Vorschlag des CDU-Politikers “puren Populismus” und “völlig sinnlos”. Der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Donnerstagausgabe) sagte Sprecher Matthias Stein: “Das wäre ein Schritt auf dem Weg zu einem Polizei- und Überwachungsstaat.” Damit würden alle Stadionbesucher unter Generalverdacht gestellt. “Da könnte Herr Caffier ja gleich verlangen, dass alle ihr polizeiliches Führungszeugnis am Eingang vorzeigen.”

Ligapräsident Rauball nimmt jedoch auch die Fans selbst in die Pflicht: “Sie können durch ihr Verhalten dazu beitragen, dass über derartige Maßnahmen gar nicht erst nachgedacht wird.” Der 65-Jährige sieht sich zudem in seiner Kritik an gewaltbereiten Fans bestätigt: “Ich habe mehrfach warnend darauf hingewiesen, dass beim Begehen strafbarer Handlungen die Politik die Vereine zwingen kann, Maßnahmen zu treffen, die keiner will.”

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