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Kein Ende des Streiks am Flughafen in Sicht

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21.02.2012

Frankfurt Kein Ende des Streiks am Flughafen in Sicht

Gewerkschaft warnt vor Ersatzpersonal – Hohe Umsatzeinbußen für Fraport.

Frankfurt/Main – Weiter Streik, Flugausfälle und genervte Passagiere in Frankfurt: Im erbitterten Arbeitskampf an Deutschlands größtem Flughafen hat die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) den Ausstand der knapp 200 Vorfeldbeschäftigten bis zum Wochenende verlängert. Der Flughafenbetreiber Fraport lässt den Streik aber inzwischen teilweise ins Leere laufen. Ersatzkräfte sicherten am Dienstag die Abfertigung von mehr als 80 Prozent der geplanten Flüge und sorgten für einen laut Fraport “geregelten” Betrieb.

Auch für einen längeren Arbeitskampf sieht sich Fraport gut gerüstet. Die GdF hatte erst am Montag die am frühen Morgen begonnene Arbeitsniederlegung von 24 auf 48 Stunden ausgedehnt und dann erneut bis Freitag um 23.00 Uhr verlängert. Fraport reagierte gelassen. “Wir haben uns darauf vorbereitet, auch längere Streikphasen zu überstehen”, sagte Firmensprecher Mike Schweitzer.

Die GdF warf Fraport aber vor, mit dem Einsatz von Ersatzpersonal die Sicherheit der Fluggäste zu gefährden. Sprecher Matthias Maas sagte, viele Ersatzkräfte hätten nur eine Kurzausbildung von zwei Tagen hinter sich, während dafür normalerweise sechs bis sieben Monate erforderlich seien. “Das ist jenseits der Legalität”, sagte Maas. “Ich kann niemandem empfehlen, ab Frankfurt zu fliegen.”

Fraport-Sprecher Schweitzer wies die Anschuldigungen entschieden zurück. “Die Sicherheit ist hier jederzeit gewährleistet”, sagte er.

Am Montag waren 80 Prozent der geplanten 1.250 Flüge am Rhein-Main-Flughafen abgefertigt worden. Am Dienstag sollte die Quote noch besser werden. Bis zum Nachmittag wurden 187 von 1.200 vorgesehenen Flügen annulliert. Die Lufthansa wollte nach dem Ausfall von 200 Flügen am Montag am Dienstag 156 Flüge streichen. “Von Tag zu Tag kommen wir besser mit der Situation zurecht”, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.

Die Umsatzeinbußen für den Flughafenbetreiber bezifferte Fraport-Sprecher Schweitzer auf 3,5 bis 4 Millionen Euro für die ersten beiden Streiktage in der vergangenen Woche. “Gestern war es rund eine Million”, sagte er.

Kein Kontakt zwischen den Konfliktparteien

Fraport und GdF reden derzeit nicht einmal miteinander. Umstritten ist die Höhe der GdF-Forderungen im Schlichterspruch, den Fraport abgelehnt hatte. Der Flughafenbetreiber spricht von überzogenen Lohnerhöhungen von bis zu 70 Prozent.

Die Gewerkschaft weist dies zurück. Es gehe um Lohnsteigerungen von “maximal 28 Prozent über komplette vier Jahre”, sagte Maas im ZDF-”Morgenmagazin”. Er forderte Fraport auf, den Schlichterspruch des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU) zu akzeptieren. “Wir wollen eigentlich dieses Papier nur unterschrieben haben”, erklärte er. Die GdF sei zu Verhandlungen bereit. Sollten die Arbeitgeber nicht einlenken, könne der Streik auch über den Freitag hinaus verlängert werden.

Fraport-Sprecher Schweitzer sagte, auch der Flughafen sei verhandlungsbereit, doch müsste die Gewerkschaft ihre starre Haltung aufgeben und den Streik beenden. Aus Sicht von Fraport habe sich der Schlichterspruch auf den Konflikt mit der GdF konzentriert. “Wir müssen aber gucken, wie das in das Gehaltsgefüge von Fraport passt”, sagte Schweitzer. Die Forderungen der GdF sprengten das Gehaltsgefüge für die gut 19.000 Flughafen-Mitarbeiter.

Arbeitgebervertreter wollen Rückkehr zur Tarifeinheit

Arbeitgebervertreter forderten unterdessen als Lehre aus dem festgefahrenen Tarifstreit eine Rückkehr zur Tarifeinheit. “Wir sind für Tarifpartnerschaft, aber während der Laufzeit bestehender Tarifverträge, die für alle Arbeitnehmer eines Betriebes gelten, muss auch Friedenspflicht bestehen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arbeitgeber, Reinhard Göhner, im ZDF-”Morgenmagazin”.

Wenn eine Mini-Gewerkschaft mit “exorbitanten Forderungen” für weniger als ein Prozent der Beschäftigten einen Betrieb lahmlege, müsse die Tarifeinheit wiederhergestellt werden, forderte er. “Die Zersplitterung der Tariflandschaft ist hochgefährlich”, sagte Göhner.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte mit Blick auf den Streik gefordert, dass “die Tarifeinheit schnellstens gesetzlich geregelt werden muss”. Das Bundesarbeitsgericht hatte den Grundsatz der Tarifeinheit, das Bestehen nur eines Tarifvertrags für ein Unternehmen, im Sommer 2010 aufgegeben.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte sich zurückhaltend über eine mögliche Rückkehr zur Tarifeinheit. “Es ist ein hochkomplexes rechtliches Gebiet und wenn man dieses regeln will, auch Neuland”, sagte sie. Allerdings zeige sich derzeit, dass “einige Wenige nicht nur einen ganzen Betrieb lahmlegen können, sondern dies auch enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen hat”. Wie hier die richtige Güterabwägung vorgenommen werden könne, werde derzeit in der Bundesregierung besprochen.

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