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Karl-Theodor zu Guttenberg ist Mann des Jahres 2010

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11.12.2010

Karl-Theodor zu Guttenberg ist Mann des Jahres 2010

Berlin – Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist der Mann des Jahre 2010 des Nachrichtenmagazins „Focus“. Der Germanist Gert Ueding würdigte Guttenberg als äußerst bemerkenswerten Redner. Seine Klarheit des Sprechens sei beeindruckend. Guttenberg verschlucke keine Silben und lasse keinen Konsonanten weg. Zudem setze er sehr gekonnt Pausen. „Damit gewinnen seine Sätze beim Hören eine Bedeutsamkeit, von der man nur schwer etwas entdecken kann, wenn man die Rede nur liest“, schrieb Ueding. „Er hat eine sehr aufrechte Haltung, eine ausgeprägte Körperspannung, pflegt einen guten Augenkontrakt zu seinen Zuhörern und unterstreicht das Gesagte mit sparsamen, aber überzeugenden Gesten.“ Kleine Fehler wie das „Herumnesteln“ am Manuskript oder einige „hampelig unruhige Körperbewegungen“ verliehen Guttenbergs Auftritten möglicherweise eine „Aura von Authentizität“.

Schriftsteller Albert Ostermaier hob die Schauspielerqualitäten Guttenbergs hervor. „Dadurch, dass er jeden Auftritt als Auftritt versteht, gibt er ihm, so banal er sein mag, Würde“, schrieb Ostermaier. „Karl Theodor zu Guttenberg trägt seinen Adel und seine Frisur wie Oskar Maria Graf seine Lederhose oder Brecht seinen zu großen Ledermantel: als Requisit, als Markenzeichen, als Alleinstellungsmerkmal.“ Er sei wie Franz Beckenbauer, Guttenberg werde alles verziehen. „Was für ein großer Schauspieler er ist wird auch dadurch manifest, dass er uns Bayern sogar vergessen macht, dass er ein Franke ist. Somit könnte er sogar Ministerpräsident werden, aber er gehört eher ins National- als ins Landestheater.

Der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, Richard Hilmer, zog Parallelen zwischen zu Guttenberg und den früheren Grünen-Politiker Joschka Fischer. „Beide haben ein ganz markantes Eigenprofil.“ Beide seien für sich ganz unverkennbar. „Fischer als begnadeter Redner mit frecher Schnauze, Guttenberg als phantastischer Vertreter seiner Politik in der Öffentlichkeit“ , so Hilmer. Zudem übe Guttenbergs feudale Herkunft einen ganz besonderen Reiz aus und kaum einer sei so fotogen wie der Verteidigungsminister.

Schauspieler Ulrich Matthes sieht Guttenberg kritischer. „Dieses Dauer-Vibrato seines Körpers, sein Federn beim Reden gehen mir auf die Nerven“, sagte Mathes. „Muss der immer zwei oder drei Stufen auf einmal nehmen, wenn er die Treppe hochgeht?“ Damit ließe sich seiner Ansicht nach eine Rolle gut spielen, die des Betrügers Tartuffe von Molière. Als Kontrastfigur zu Guttenberg sieht Matthes SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. „Den finde ich identisch mit sich, auch wenn er kein Oberflächen-Sexappeal hat.“

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