Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Kapitalismus in Davos in der Defensive

© AP, dapd

25.01.2012

Weltwirtschaftsforum Kapitalismus in Davos in der Defensive

Vorstandsvorsitzende räumen beim Weltwirtschaftsforum Probleme ein.

Davos – Der Kapitalismus verschärfe zwar die Kluft zwischen Arm und Reich, sei aber besser als jede Alternative – das ist eine der Argumentationslinien einiger beim Weltwirtschaftsforum (WEF) versammelter Vorstandsvorsitzender global bedeutender Firmen. Kurz vor Eröffnung der Beratungen durch eine Grundsatzrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochnachmittag war in Davos oft zu hören: Kapitalismus sei ein schlechtes System, aber es gebe kein besseres.

Im Zeichen von Finanz- und Schuldenkrise in Europa und den USA versammeln sich zu dem jährlichen Treffen in dem schweizerischen Wintersportort mehr als 2.600 Vertreter aus Politik und Wirtschaft, so viele wie noch nie zuvor. Fast 40 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt, diskutiert wird auf dem 42. Weltwirtschaftsforum bis zum kommenden Sonntag.

Vor dem Tagungszentrum demonstrieren Mitglieder der Occupy-Bewegung und andere Gruppen gegen sich vergrößernde Ungleichheiten und die Wut darüber in vielen Teilen der Welt. Sie ließen riesige Wetterballons mit einem Protestbanner aufsteigen, auf dem stand: “Hey WEF, wo sind die anderen 6,9999 Milliarden Führer?”

Regulierung und Reformen des globalen Finanzmarktes dürften zentrale Themen der Beratungen in Davos sein. Einige Vorstandsvorsitzende betonten vorab, es gebe keine Alternative zum Kapitalismus. Kapitalismus möge zwar das schlechteste System sein, es gebe aber kein besseres, sagte der Mitbegründer der Washingtoner Carlyle Group, David Rubinstein.

Alcatel-Lucent-CEO Ben Verwaayen sagte, bei der Überwindung der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise gehe es nicht nur um Konzerne und Gier, sondern auch um Entscheidungsprozesse. “Warum brauchte Europa zwei Jahre, um zu einer Schlussfolgerung zu kommen, von der es wusste, dass sie kommen musste?”, fragte er vor der Grundsatzrede Merkels.

Der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynihan, sagte, die Banken hätten viel zur Reduzierung von Exzessen getan, das Auf und Ab von Wirtschaftszyklen gehöre aber zur Struktur des Kapitalismus. Der Chef des Internationalen Gewerkschaftsverbandes, sagte dagegen, der “moralische Kompass” sei verloren gegangen. Wenn Regierungen jetzt nicht in sozialen Schutz investierten, “werden niemandem die sozialen Unruhen gefallen, die folgen.”

Der CEO des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte, Joe Echevarria, plädierte für einen “mitfühlenden Kapitalismus”. “Wir müssen uns mit Regulierung abfinden – ein Ausgleich zwischen Schutz der Gesellschaft und dem Abwürgen von Wachstum”, sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© AP, dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/kapitalismus-in-davos-in-der-defensive-36142.html

Weitere Nachrichten

Ralf Jäger SPD

© SPD-Landtagsfraktion NRW / gemeinfrei

Bericht Immer mehr Klagen gegen neues NRW-Beamtenrecht

69 Beamte des Landes NRW sind bislang juristisch gegen die neue Dienstrechtsreform vorgegangen. Das geht aus einem neuen Bericht von NRW-Innenminister Ralf ...

Euroscheine Geld

© Friedrich.Kromberg / W.J.Pilsak / CC BY-SA 3.0

Sparkassenpräsident Strafzins ist nicht ausgeschlossen

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), will einen Strafzins für Kleinsparer langfristig nicht ausschließen. "Auch ...

Rentner

© bstrupp / gemeinfrei / pixabay.com

DIW-Chef Fratzscher Höheres Rentenalter unvermeidbar

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus nach dem Jahr 2030 für unvermeidbar. "Die ...

Weitere Schlagzeilen