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Jesus, Judas und Pontius Pilatus in Bensheim

© dapd

06.04.2012

Passionsspiele Jesus, Judas und Pontius Pilatus in Bensheim

Laiendarsteller führen seit 30 Jahren den Leidensweg Christi auf.

Bensheim – Als die drei Männer an den Kreuzen auf dem Marktplatz in Bensheim hängen, wird es für ein paar Sekunden still. Nur das Klicken der Kameras ist noch zu hören, vereinzelt ein paar Kinderschreie. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, ruft der langjährige Jesus-Darsteller Hartmuth Lux, während die anderen Laiendarsteller – verkleidet als Römer oder Hohepriester – im Kreis um die Kreuzigungsszene stehen. Seit 30 Jahren gibt es die Passionsspiele von Bensheim.

Zu Karfreitag sind Darsteller und Zuschauer auch dieses Jahr durch die Altstadt der südhessischen Stadt gezogen, um die verschiedenen Stationen der letzten Stunden Jesu nachzuspielen. Der eilige Parcours startet mit der Festnahme Jesu, führt weiter zur Anhörung durch den Hohen Rat und zeigt die Verurteilung zum Tod durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus, bevor Jesus gekreuzigt wird. Zwischendurch verrät Judas seinen Herrn und Petrus gibt vor, ihn gar nicht zu kennen. Die Inszenierung ist bibeltreu.

Aufgeführt wird der Leidensweg Jesu seit 1982 von Mitgliedern des Vereins „Bensheimer italienische Familien und deutsche Freunde“. Die Laiendarsteller haben für ihre Prozession wochenlang geprobt und treten in historisch anmutenden Gewändern auf. Und auch wenn das eine oder andere Schwert am Gürtel eines römischen Legionärs nur aus Holz ist: Das laute Peitschenknallen, mit dem Jesus zeitweise durch die Gassen getrieben wird, lässt manchen Zuschauer erschaudern.

Zwischen Kichern und Entsetzen

„So etwas Barbarisches darf es eigentlich gar nicht geben“, sagt eine Rentnerin, die mit ihrem Enkel am Straßenrand steht und das Treiben beobachtet. Andererseits verleiten die markig ausgestoßenen Befehle der Römer aufgrund des südhessischen Dialekts der Darsteller auch manche Zuschauer zum Kichern. Manchmal scheinen sich die Darsteller – trotz zahlreicher Proben – nicht über den Weg einig zu sein und schlagen verschiedene Richtungen ein, was unfreiwillig komisch wirkt.

„Aber das macht für mich gerade den Charme aus“, sagt eine 34 Jahre alte Frau aus Bensheim, die der Prozession gemeinsam mit ihrem Mann folgt. Der wiederum sagt, er sei zwar kein praktizierender Christ, „aber die Geschichte wird auf diese Weise greifbar und ich denke, dass jeder für sich daraus wichtige Gedanken entwickeln kann.“ Die Geschichte um Verrat, Rache und Opferbereitschaft sei auch in der Gegenwart aktuell. Beeindruckt sind die Eheleute von der Leistung mancher Darsteller. „Der, der den Jesus spielt, ist seit Jahren dabei. Und er wirkt ziemlich realistisch.“

Nur originale Bibelzitate

Hartmuth Lux, seit über 20 Jahren Jesus in Bensheim, überzeugt tatsächlich: Wie in Trance wandern seine Blicke über die Menschenmassen, als er das Kreuz zu seinem Bestimmungsort trägt. Nur das Mikrophon, durch das der langhaarige Mann mit dem schlichten Gewand die Bibelzitate spricht, ist irritierend.

„Irgendwelche Kompromisse muss man halt machen“, sagt Hans Brehmer, ein Zuschauer, der extra aus dem etwa 45 Kilometer entfernten Egelsbach angereist ist. Dass die Passionsspiele in Bensheim ausschließlich mit Original-Bibelzitaten aufgeführt werden, findet der 66 Jahre alte Rentner gut. „In diesem Fall ist weniger mehr“, sagt er. Und während Römer, Priester und der Mob Jesus vor sich hertreiben, stürmen die Zuschauer schon voraus, um möglichst gute Plätze an der nächsten Station zu ergattern.

„Gleich ist der Höhepunkt dran“, sagt Domenico Gambino aus Mannheim. Der Höhepunkt? „Ja, die Kreuzigung“, sagt der 33-Jährige und geht schneller. „Die will ich unbedingt sehen.“

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