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24.07.2011

Jesuitenpater kritisiert „großes Schweigen“ in der Kirche

Berlin – Der Jesuitenpater und langjährige Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, übt in einem „Spiegel“-Gespräch scharfe Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit der Missbrauchsdebatte und an der Angst der Kirchenhierarchie vor „pöbelnden Dunkelkatholiken“. Dabei handle es sich um eine laute, selbstgerechte Minderheit in der Kirche, die „jede Kritik als Illoyalität begreifen“ und Kritiker „immer frecher überfallen“, insbesondere „wenn sie sich in Verbänden, Gremien oder gar im Zentralkomitee der deutschen Katholiken engagieren“.

Mertes: „Bitter ist vor allem, dass Rom Denunziationen annimmt. Da sie meist anonym bleiben, könnten sie „im Dunkeln agieren.“ Leider würden vor diesen Dunkelkatholiken „Teile der Hierarchie kuschen, aus Angst davor, selbst beschimpft zu werden“. Mertes erwarte deswegen vom Papst im September bei seinem Besuch in Deutschland ein klärendes Machtwort.

Zur Missbrauchsdebatte meint der Jesuitenpater, der Anfang 2010 sexuelle Gewalt am Canisius-Kolleg öffentlich gemacht hatte, da „sind wir einige Schritte weiter, aber noch lange nicht am Ende“. Nach dem Beginn der Geldzahlungen an Missbrauchsopfer gebe es nun ein stärker werdendes Gejammer und Lamentieren in der Kirche, damit sei „nun alles gemacht“.

Das, so Mertes, sei „unangemessen und gefährlich“, denn die Frage sei noch offen, „was wir bei uns ändern müssen, um besser hören zu können, wenn Missbrauchsopfer reden wollen“. Dazu müsse in der Kirche endlich offen über Sexualität geredet werden.

Doch die Realität sehe leider immer noch so aus: „Wir stellen Fragen. Die Antwort ist das große Schweigen.“ Mertes erlebe deswegen „bei vielen Katholiken eine große Müdigkeit, eine tiefe Resignation, weil sie an der Schweigemauer einer Parallelwelt abprallen, wenn sie versuchen zu sprechen.“

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