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Jeder siebten Familie droht Armut

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23.04.2012

Baden-Württemberg Jeder siebten Familie droht Armut

Risiko für Alleinerziehende und Paare mit mehreren Kindern besonders hoch.

Stuttgart – Familien in Baden-Württemberg sind häufiger von Armut bedroht als Singles oder kinderlose Paare. Im Südwesten war 2010 mit einem Anteil von 15 Prozent etwa jede siebte Familie armutsgefährdet, wie aus der am Montag vorgestellten Studie „Familien in Baden-Württemberg“ hervorgeht. Bei Baden-Württembergern, die nicht in einem Familienhaushalt lebten, lag das Armutsrisiko bei zwölf Prozent. Das Statistische Landesamt hatte die Studie im Auftrag des Sozialministeriums erstellt.

Besonders häufig armutsgefährdet seien Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern sowie Familien mit ausländischen Wurzeln, sagte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). Laut Studie drohte 2010 zwei Fünfteln der Alleinerziehenden eine Verarmung. Bei Paaren mit drei oder mehr Kinder war jedes fünfte armutsgefährdet, unter Einwandererfamilien jede vierte.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen bei weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung liegt. Bei einer Alleinerziehenden in Baden-Württemberg sei dies eine Grenze von 1163 Euro, führte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, an.

Der Erhebung zufolge liegt die Armutsgefährdung von Familien in Baden-Württemberg unter dem Bundesschnitt und ist überwiegend von kurzer Dauer. Allerdings sei jede dritte Alleinerziehende und jede fünfte Paarfamilie in Baden-Württemberg dauerhaft oder immer wieder von Armut bedroht. Am häufigsten sind Familien betroffen, wenn das älteste Kind zwischen 10 und 17 Jahren alt ist. Brenner sagte, auch Trennung und Scheidung könnten zu einem Armutsrisiko führen.

Altpeter sagte, bei der Bekämpfung von Armut gebe es auch im reichen Baden-Württemberg „noch einiges zu tun“. Wichtig dabei seien unter anderem der Zugang der Eltern zu Arbeit sowie Bildungschancen für die Kinder. Erwerbstätigkeit müsse aber auch ausreichend entlohnt werden, unterstrich die SPD-Politikerin. Baden-Württemberg habe dazu eine Initiative im Bundesrat für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn eingebracht.

Nach Auffassung der stellvertretenden DGB-Landesvorsitzenden Marion von Wartenberg zeigt der vorgelegte Report deutlich, dass Armutsbekämpfung auch in Baden-Württemberg auf der politischen Tagesordnung stehen müsse. Es dürfe nicht dabei bleiben, dass jede dritte Alleinerziehende dauerhaft oder wiederkehrend armutsgefährdet sei.

Der Landesfamilienrat sieht eine große Gefahr, dass „aus Kindern armer Eltern die Eltern armer Kinder werden“. Die Auswirkungen von Armut setzten sich in die nächste Generation fort, sagte der Vorsitzende des Landefamilienrates, Jürgen Rollin. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, reiche es nicht aus, zur Armutsbekämpfung nur auf die Integration am Arbeitsmarkt zu setzen.

Dem Familienrat zufolge sind umfangreiche und vernetzte Maßnahmen der Bildung, Betreuung, Unterstützung und wirtschaftlichen Förderung in unterschiedlichen Lebenslagen und Lebensphasen nötig. In Baden-Württemberg gebe es dazu zwar viele gute Ansätze, sagte Rollin. Viele seien jedoch nur „kurzlebige Projekte, die keine nachhaltige Wirkung entfalten“.

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