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Gering erhöhtes Krebsrisiko

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28.02.2013

Fukushima-Unglück Gering erhöhtes Krebsrisiko

Vor allem Menschen aus der Region um Reaktor betroffen.

Genf – Der Nuklearunfall von Fukushima hat in der näheren Umgebung des havarierten Reaktors ein erhöhtes Krebsrisiko zur Folge. Zu diesem Schluss kommt die erste Studie über die globalen Auswirkungen des Vorfalls, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag in Genf vorgelegt hat. Demnach stieg die Gefahr, an Krebs zu erkranken, vor allem für Säuglinge und Kinder im am stärksten verseuchten Gebiet in geringem Maße an. Das gleiche gilt für nach dem Unfall eingesetzte Helfer. Weiter vom Reaktor entfernt ist das Krebsrisiko hingegen weitgehend unverändert. Doch es gibt auch Kritik an den Zahlen.

Von möglichen Langzeitwirkungen der Strahlenbelastung betroffen sind laut WHO vor allem Menschen aus der Region etwa 20 Kilometer rund um das Kernkraftwerk. Das größte Risiko tragen Bewohner, die zum Zeitpunkt des Unglücks Kleinkinder waren. „Das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, ist für Säuglinge, die zum Zeitpunkt des Vorfalls ein Jahr alt waren und in der am stärksten kontaminierten Gegend um Fukushima gelebt haben, 70 Prozent höher als üblicherweise“, sagte einer der Autoren des Berichts, Roy Shore, der telefonisch aus der japanischen Stadt Hiroshima zugeschaltet war. Das absolute Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, habe sich demnach für Mädchen aus der Region auf 1,25 Prozent gegenüber 0,75 Prozent im Normalfall erhöht.

„Keine Angst schüren“

Das Leukämie-Risiko ist dem Bericht zufolge bei zum Zeitpunkt des Vorfalls einjährigen Jungen aus dem Gebiet sieben Prozent höher, das von Brustkrebs bei Mädchen im selben Alter um sechs Prozent größer als normalerweise. Grundlage für die Studie sind Modelle auf Basis früherer Nuklearunfälle, etwa in Tschernobyl. „Die Bedingungen sind nicht genau die gleichen“, gesteht die WHO-Expertin Angelika Tritscher ein. „Wir haben deshalb das Risiko eher höher als niedriger veranschlagt.“ Schließlich gehe es jetzt darum, durch Gesundheitsmaßnahmen Krebsfälle rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Außer Säuglingen und Kindern sind vor allem diejenigen von einem erhöhten Krebsrisiko betroffen, die unmittelbar nach dem Unfall als Hilfskräfte in Fukushima gearbeitet haben. Dazu kommen die Arbeiter im Atomkraftwerk. Wie viele der zwei Millionen Einwohner der Präfektur Fukushima konkret mit erhöhtem Krebsrisiko leben müssen, will indes niemand bei der WHO sagen. „Wir wollen keine Angst schüren – die derzeit größten gesundheitlichen Probleme, die wir derzeit in Fukushima beobachten, sind psychologischer Natur“, sagte Tritscher. Ob die errechneten höheren Krebsraten tatsächlich stimmen, lässt sich abschließend erst in Jahrzehnten sagen. Denn das Risiko, tatsächlich an Krebs zu erkranken, steigt mit dem Alter.

Kritiker bemängeln Daten

Mit zunehmender Entfernung vom AKW Fukushima Daiichi nimmt die Auswirkung der Strahlung auf die Gesundheit stark ab, so die unabhängigen Wissenschaftler, die den Bericht im Auftrag der WHO erstellt haben. „Außerhalb von Japan haben wir keine Dosen ermitteln können, die oberhalb der üblichen Hintergrundstrahlung liegen“, sagt Tritscher. Und selbst im restlichen Japan seien die Auswirkungen kaum messbar. Das liege auch an der Reaktion der so oft gescholtenen Regierung, sagt Shore. „In Tschernobyl haben die Leute tagelang nichts von dem Unglück erfahren, haben Milch von der Kuh aus dem eigenen Garten getrunken und keinerlei Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“ Dazu kommt Glück: Die Isotope, die in Fukushima ausgetreten sind, sind kurzlebiger als die von Tschernobyl, und die Wetterlage verhinderte eine große Verbreitung.

Doch es gibt auch Kritik an der Studie. Die Zahlen einer japanischen Regierungsstudie, die dem WHO-Bericht zugrunde liegen, sind japanischen Kritikern zufolge unzureichend. So soll sich nur ein Viertel der Bewohner an der staatlichen Umfrage beteiligt haben, die eine entscheidende Datengrundlage für die Studie ist. Vorwürfe, die japanische Regierung habe sich zudem aktiv in das Verfassen der Studie eingemischt und deren Erscheinen verzögert, wies die zuständige WHO-Direktorin Maria Neira zurück. „Es hat keinerlei Einflussnahme gegeben, die Studie ist nur deshalb erst zwei Monate später erschienen, weil die Wissenschaftler mehr Zeit gebraucht haben.“ Nach Neiras Worten ist auch die Internationalen Atomenergiebehörde IAEA nicht an der Studie beteiligt gewesen. Deren vermeintliche Einflussnahme hatte nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl Kritiker auf den Plan gerufen.

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