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04.11.2014

Ischinger Cyberterroristen könnten europäische Bankenindustrie lahmlegen

„Das ist ein Thema für die gesamte Europäische Union und für die Nato.“

Berlin – Nach Einschätzung des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, könnten auch kritische Infrastrukturen in Deutschland ins Visier von Cyberterroristen geraten: „Wenn der große Internetknoten in Frankfurt für ein paar Stunden ohne Strom wäre, würde die gesamte europäische Banken-Industrie lahmgelegt werden. Das ist ein Thema für die gesamte Europäische Union und für die Nato“, sagte Ischinger dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe).

„Wir müssen damit rechnen, dass Gruppen, die ohnehin internetaffin sind, offensive Mittel der Cybertechnologie anwenden und ihren Gegnern Schaden zufügen.“

Ischinger ist überzeugt, wenn der Krieg als ein Mittel der politischen Auseinandersetzung nach Europa zurückgekehrt sei, werde es nicht lange dauern, bis diese modernen Möglichkeiten zumindest wirtschaftlichen Schaden hervorrufen. „Das ist die schöne neue Welt, vor der wir uns sehen.“

Ischinger hält es für möglich, dass auch der sogenannte „Islamische Staat“ mittels Cyberattacken Italien, Griechenland oder auch Deutschland unter Druck setzen könnte.

„In früheren Konflikten hätte man Geiseln genommen. Stattdessen wäre das Lahmlegen eines Kraftwerks oder einer Fabrik eine großartige Möglichkeit modernster Kriegsführung. Nach dem Motto: Ihr werdet sehen, was euch das kostet, wenn ihr so weiter macht“, sagte der Sicherheitsexperte.

Für solche „neuartigen Fragestellungen“ müsse man daher „nicht nur technologisch gerüstet sein, sondern auch politisch-psychologisch“. Aus Ischingers Sicht ist Deutschland „nicht gut genug“ technologisch gegen solche Sabotageakte gerüstet. „Es hilft ja nichts, wenn in Deutschland kein Kraftwerk übers Internet erreichbar ist, wenn gleichzeitig in einem unserer europäischen Nachbarländer das Licht ausgeht,– wir sind ja vernetzt, was die Stromleitungen angeht, was die Kommunikationsnetze angeht“, sagte er.

Ischinger plädiert dafür, ähnlich wie die USA darüber nachzudenken, ob Angriffe übers Netz als kriegerische Akte aufgefasst werden müssen. Politisch stelle sich die Frage, ob ein Cyberangriff nicht genauso zu werten sei wie ein klassischer militärischer Angriff – und ob es dann nicht derselben Antwort bedürfe. „Die Nato würde ihr Klassenziel verfehlen, wenn sie sich damit nicht beschäftigen würde“, so Ischinger.

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