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Erst Contador, nun Ullrich

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08.02.2012

Internationale Sportgerichtshof Erst Contador, nun Ullrich

Ullrich droht lebenslange Sperre – Radsport-Szene legt Contador den roten Teppich aus.

Berlin/Madrid – Der Wirbel nach dem Schuldspruch für Alberto Contador hat sich noch längst nicht gelegt, da wird bereits über die zweifelhafte Vergangenheit des nächsten Toursiegers gerichtet. Drei Tage nach der zweijährigen Dopingsperre für den Spanier fällt der Internationale Sportgerichtshof CAS am Donnerstag das längst überfällige Urteil in der Causa Jan Ullrich. Dem deutschen Tour-Champion von 1997 droht wegen seiner Verwicklung in der Operacion Puerto vor gut sechs Jahren als Wiederholungstäter gar eine lebenslange Sperre.

Sportlich dürfte es Ullrich, der bereits 2007 seine Karriere beendet hat und nur noch als Hobbyradfahrer und Werbeträger (“Doping für die Haare”) von sich reden macht, nicht mehr groß stören. “Für mich ist das ein Glückstag, weil ich sechs Jahre auf das Urteil gewartet habe. Ich habe viel leiden müssen, unter anderem ein Burnout gehabt. Ich will damit abschließen”, sagte der Toursieger von 1997.

Ein gern gesehener Gast ist Ullrich im Radsport freilich immer noch. Die kleinen und großen Ganoven der Landstraße werden in der “geschlossenen Gesellschaft Radsport” nicht so schnell fallen gelassen, solange sie nicht das eigene Nest beschmutzen. Das ist auch im Fall Contador nicht anders. Dem 29-Jährigen, der wegen seines positiven Dopingbefundes auf Clenbuterol verurteilt worden war, wird für dessen Rückkehr im August bereits der rote Teppich ausgelegt. Sogar die spanische Regierung spricht von einer “grenzenlosen Ungerechtigkeit”.

Ullrich: “Urteil gegen Contador ist hart”

Jubel über die Verurteilung eines Betrügers gab es allemal im stillen Kämmerlein, stattdessen reagierte die Branche mit Betroffenheit und Mitgefühl. “Ihm wurden ein Tour-Sieg und ein Giro-Sieg aberkannt. Das Urteil gegen Contador ist wirklich hart. Ich wünsche ihm auf seinem Weg zurück viel Kraft. Er ist wichtig für die Branche”, sagte Ullrich.

Das war bei geständigen Betrügern wie Jörg Jaksche oder Patrik Sinkewitz einst anders. Nicht einmal zweitklassige Teams interessierten sich für Jaksche und Sinkewitz wurde bei seiner Rückkehr mit Missachtung und anderen Boshaftigkeiten gestraft.

Sorgen, dass er nach Ablauf seiner Sperre am 6. August nicht mehr unterkommt, muss sich Contador nicht machen. Der Ehrenkodex, wonach WorldTour-Teams Dopingsünder auch zwei Jahre nach der Sperre eine Anstellung verwehren, ist längst nicht mehr das Papier wert, worauf er einmal stand. Contadors Saxo-Bank-Team hält ihm selbstredend einen Platz frei. “Das Vertrauen in ihm ist zu 100 Prozent intakt. Ich habe kein Problem, mit ihm weiterzuarbeiten”, sagt Teamchef Bjarne Riis.

Der Däne ist schließlich in erster Linie Geschäftsmann und als Moralapostel taugt er aufgrund seiner Vergangenheit ohnehin nichts. 2007 hatte Riis – in der Szene einst wegen seines hohen Hämatokritwertes als “Monsieur 60 Prozent” bekannt – im Zuge des Telekom-Skandals Epo-Doping bei seinem Toursieg 1996 zugegeben.

Contador auch finanziell gebeutelt

Contador, der seine Rückkehr ankündigte (“Werde weiter Radfahren und sauber bleiben wie eh und je. Ich bin unschuldig”), bleibt aber wohl auch gar nichts anderes übrig. Sein üppiges Gehalt von fünf Millionen Euro pro Jahr liegt auf Eis. Das stellte Riis klar, so groß ist die väterliche Fürsorge des Dänen dann doch nicht. Und angesichts der möglichen Strafzahlung von 2,4 Millionen Euro – der CAS entscheidet darüber zu einem späteren Zeitpunkt – sowie der Verlust von Sponsorengelder, Prämien und Anwaltskosten beläuft sich der finanzielle Schaden des 39-Jährigen auf über zehn Millionen Euro. Da wird sich der nun zweimalige Toursieger gut überlegen müssen, ob er den Rechtsweg vor einem ordentlichen Gericht einschlagen will.

Contadors Ruf ist aber zumindest in seiner Heimat noch intakt. “Ich war geschockt. In meinen Augen war das Urteil willkürlich und eine grenzenlose Ungerechtigkeit”, sagte Maria Dolores de Cospedal, die Generalsekretärin der regierenden Volkspartei PP, dem TV-Sender Telecinco. Die 50-minütige Pressekonferenz des nunmehr zweimaligen Toursiegers am Dienstag musste immer wieder wegen Jubelstürmen und Contador-Rufen unterbrochen werden. Die stolzen Spanier hatten schon jeher ihre eigene Ansicht in Sachen Doping und so dürfte der Zeitplan für Contadors Comeback auch schon vorgezeichnet sein. Am 18. August beginnt die Spanien-Rundfahrt, dem “König der Berge” ist eine Jubelfahrt durch die Heimat gewiss.

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