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Helia Ladenbau gelingt die Rettung

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20.02.2013

Insolvenz Helia Ladenbau gelingt die Rettung

Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen hilft.

Oberkirch-Nußbach – Es ist laut in der Produktionshalle von Helia Ladenbau: Große Sägen kreischen, Männer in Overalls geben Möbelstücken den letzten Schliff. In einer Ecke stehen Regale für die lokale Schuhkette Häsler, in einer anderen Spiegel für die bundesweite Kette Tamaris. Die Geschäftigkeit in dem Gewerbegebiet im badischen Ort Oberkirch-Nußbach ist nicht selbstverständlich. Helia Ladenbau stand vor einem Jahr kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Das Unternehmen wurde im Schutzschirmverfahren saniert – als eines der ersten überhaupt in Deutschland.

Am 1. März 2012 trat das Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen – kurz ESUG – in Kraft. „Für uns kam diese neue Möglichkeit punktgenau“, sagt Geschäftsführer Klaus Göppert. Helia Ladenbau stellte im Mai den Antrag auf Sanierung im Schutzschirmverfahren. Im Dezember wurde das Verfahren bereits beendet, Helia Ladenbau konnte seine etwa 140 Mitarbeiter halten und sich breiter aufstellen.

Der Mittelständler ist seit 1999 am Markt und einer der größten Hersteller von Ladeneinrichtungen in Deutschland. Zu den Kunden gehören bekannte Ketten wie Media Markt oder Edeka. Lange Zeit war Helia Ladenbau aber abhängig von zwei Großkunden, sie machten zusammen 80 Prozent des Umsatzes aus. In der Krise 2008 sei der eine „von heute auf morgen“ zu einem anderen Lieferanten gegangen, sagt Göppert. Der andere habe immer weniger bestellt.

„Inzwischen machen wir den gleichen Umsatzanteil mit 20 Kunden“, berichtet der Geschäftsführer. Aber das Unternehmen habe es nicht in so kurzer Zeit geschafft, die dafür erforderlichen internen Strukturen aufzubauen, die Mittel gingen langsam aus. Das Schutzschirmverfahren verschaffte Helia Ladenbau die nötige Zeit.

Rechtsanwalt Stefano Buck von der Kanzlei Schultze & Braun mit Sitz in Achern begleitete als Sachwalter das Schutzschirmverfahren. Im Gegensatz zu einem Insolvenzeröffnungsverfahren übernimmt er als Sachwalter im Schutzschirmverfahren aber nicht das Ruder im Betrieb. „Der Sachwalter ist mehr beratend tätig und übt eine Aufsichtsfunktion aus, die Geschäftsführung behält die Kontrolle über das Unternehmen“, sagt Buck.

Hürden vor Schutzschirmverfahren gestellt

Das macht das Schutzschirmverfahren für Unternehmen auch so interessant. Vor die Umsetzung hat der Gesetzgeber aber gewisse Hürden gestellt. „Damit ein Gericht ein Schutzschirmverfahren genehmigt, muss der Schuldner bestimmte Voraussetzungen erfüllen“, erläutert Buck. „Die Zahlungsunfähigkeit darf noch nicht eingetreten sein.“ Zudem müsse das Unternehmen belegen, dass die in Aussicht gestellte Sanierung gelingen kann. Das wiederum muss sie sich von einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt bescheinigen lassen.

Ebenfalls neu geregelt im ESUG ist ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung – das wäre für Helia Ladenbau die Alternative zum Schutzschirmverfahren gewesen. Die Anforderungen sind nicht so hoch, die Bescheinigung etwa zu den Erfolgsaussichten der Sanierung entfällt. Allerdings fehlt in dem Fall das relativ bindende Vorschlagsrecht der Geschäftsführung, wer Sachwalter werden soll.

Die Wirtschaftsberatung Roland Berger überprüfte im Oktober die Erfolge des ESUG und zieht eine überwiegend positive Bilanz. Bis dahin seien mehr als 500 Unternehmen durch das Verfahren gegangen, darunter prominente Fälle wie das Schuhhaus Leiser, die Solarfirma Centrotherm oder der Müslihersteller Dailycer.

Roland Berger befragte 2.800 Entscheider zu ihren Erfahrungen mit Insolvenzen. In 53 Prozent der Fälle wurde das ESUG angewendet. 26 Prozent der Befragten sagten, ihre Erwartungen hätten sich erfüllt. In 60 Prozent der Fälle erfüllten sie sich den Angaben zufolge eingeschränkt.

Das Schutzschirmverfahren soll es auch leichter machen, die Gläubiger und Kunden von der Sanierung zu überzeugen. „Das Schutzschirmverfahren hat allein schon durch seinen Namen nicht das Stigma eines Insolvenzverfahrens“, sagt Buck. Bei Helia Ladenbau sei bis heute nicht ein Kunde abgesprungen, berichtet Göppert.

Deswegen schaut der Firmenchef optimistisch nach vorn: „Die Prognose sieht im Moment sehr ermutigend aus.“ Die Aufträge seien leicht höher als im vergangenen Jahr. „Wir können anhand der Aufträge mit einem moderaten Umsatzwachstum rechnen und auch mit einem Gewinn“, sagt Göppert.

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