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Bitte keine Kerzen mehr auspusten!

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15.02.2013

Infektionsherd Geburtstagstorte Bitte keine Kerzen mehr auspusten!

Australiens Gesundheitsministerin wünscht keimfreie Kindergärten.

Sydney – Gefahrenzone Kindergarten: Geburtstagsfeiern, wo alle gemeinsam die Kerzen ausblasen – hoch riskant. Mit ungewaschenen Händen in den Sandkasten – um Himmels willen. Australiens Gesundheitsministerin Tanya Plibersek hat Bakterien den Kampf angesagt, die die Kleinsten des Landes um Gesundheit und Leben bringen könnten. Ein 190 Seiten starker Richtlinienentwurf aus ihrem Haus lässt keinen noch so entlegenen Risikofaktor unberücksichtigt.

Man stelle sich nur einmal vor: Fünf, sechs oder mehr Kinder umstehen einen Geburtstagskuchen und pusten alle gleichzeitig in die brennenden Kerzen. Fünfmal Atem, der sich mischt, fünfmal unterschiedliche Keime – was da alles passieren kann.

Nach Ansicht der Ministerin und ihres Nationalen Gesundheitsrates, der die Richtlinien verfasst hat, empfiehlt es sich da doch eher, dass die Kinder künftig kleine Törtchen für sich selbst und einen separaten Kuchen mit Kerze für das Geburtstagskind mitbringen. Alternativ könne auch ein kleiner Extrakuchen angeboten werden. Dort darf dann gepustet werden, während der eigentliche große Kuchen unter allen verteilt wird.

So mancher australische Mediziner greift sich da an den Kopf. Der Kindergarten als aseptischer Raum. „Sicher – wenn jemand auf einen Kuchen niest, möchte ich ihn auch nicht mehr essen. Aber wenn man Kerzen ausbläst, du meine Güte, wie viele Organismen werden da wohl auf einen Gemeinschaftskuchen übertragen?“, gibt der Präsident der australischen Ärztekammer, Steve Hambleton, zu bedenken.

Auch weitere Regeln aus dem insgesamt fast 190 Seiten langen Dokument gehen ihm gegen den Strich. Die Empfehlung etwa, vor und nach dem Spielen im Sandkasten die Hände zu waschen oder mit einem alkoholischen Reinigungsgel zu säubern, sei übertrieben. Es reiche völlig aus, die Hände vor dem Essen zu waschen. „Es ist üblich und gesund, einer normalen Menge an Antigenen in unserer Umwelt ausgesetzt zu sein“, sagt Hambleton. Wenn man Kinder immer in Watte packe, dann würden sie später im Leben Infektionen bekommen, denen ihr Organismus nicht gewachsen sei.

Liese Rupert, die einen Kindergarten mit Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren im Seaforth leitet, einem Stadtteil von Sydney, kann sich ebenfalls nicht vorstellen, dass die Regeln in der Praxis anwendbar sind. Sie und ihre Kollegen putzten natürlich jeden Tag Tische und Böden und säuberten auch die Toiletten regelmäßig. Doch nach den neuen Regeln müssten sie von nun an auch täglich Spielzeuge und Kissenbezüge waschen sowie sämtliche Türklinken putzen.

„Wir hatten noch nie eine schlimme Infektionskrankheit hier bei uns im Kindergarten. Ich denke, wenn man versucht, immer alle Bakterien abzutöten, dann können die Kinder gar kein Immunsystem aufbauen“, sagt die Erzieherin. Wichtiger sei ihrer Meinung nach, gesunden Menschenverstand walten zu lassen, zum Beispiel nicht den gleichen Lappen für Boden und Tische zu verwenden.

Das Dokument des australischen Gesundheitsrates will aber lieber auf Nummer sicher gehen. Neben den Richtlinien zu Geburtstagsfeiern, Sandkästen, Spielsachen und Türklinken regelt es deswegen auch detailliert, wie Kinder sich richtig die Hände waschen und wie und wann Erzieherinnen Wegwerf-Handschuhe tragen sollen. Es ist sogar detailliert ausgeführt, wie sie die Einmal-Handschuhe nach der Benutzung wieder korrekt ausziehen sollen.

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