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DHB: In Trauerkleidung in die Heimat

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26.01.2012

Olympia DHB: In Trauerkleidung in die Heimat

Zerplatzte Träume hinterlassen bei deutschen Handballern Spuren – “Es ist einfach nur tragisch”.

Belgrad – Schwarzes Hemd, schwarzes Jackett. Martin Heuberger schien dem Anlass entsprechend gekleidet. Mit tiefen Augen und immer noch sichtlich mitgenommen schlich der Handball-Bundestrainer am Donnerstagmorgen durch das Mannschaftsquartier in Belgrad. “Ich fühle mich richtig scheiße”, sagte der 47-Jährige. Der Vortag hatte Spuren hinterlassen. Es war so ziemlich alles schiefgegangenen. Der Einzug ins Halbfinale der EM in Serbien? Verpasst. Die Teilnahme an der Olympia-Qualifikation? Verpasst. Der Startplatz für die WM 2013 in Spanien? Auch erst einmal verpasst. Auf den ersten Blick blieb da nicht viel Gutes.

“Dass wir bei den Olympischen Spielen nicht dabei sein werden, ist für mich das Schlimmste”, sagte Ulrich Strombach kurz vor der Abreise der Mannschaft in die Heimat. Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) versuchte, die Reihe von Enttäuschungen zu sortieren. Kurz zuvor war Michael Haaß aus dem Hotel gehumpelt. Gestützt auf Krücken und mit dickem Gips am rechten Fuß. Der Spielmacher hatte sich bei der 32:33 (17:18)-Pleite am Dienstag gegen Polen einen Bruch des Fußgelenks zugezogen. Fiese Schmerzen, vier Monate Pause. Auch auf den zweiten Blick blieb da nicht viel Gutes.

Heuberger suchte derweil nach Worten. Zweimal hatte sein Team in Serbien die Chance, ins Halbfinale einzuziehen und damit auch den Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Qualifikationsturnieren im kommenden April zu verwirklichen. Erst verlor man gegen Dänemark, dann gegen Polen. London ist unerreichbar. Die Sommerspiele finden erstmals ohne deutsches Handball-Team statt.

“Dieses Ziel haben wir verpasst. Aber die Mannschaft hat sich entwickelt und eigentlich ein gutes Turnier gespielt. Dass sie dann so ausscheiden musste, hat sie nicht verdient. Das ist einfach tragisch”, sagte der Bundestrainer, der sich immer noch über die fragwürdige Leistung des spanischen Schiedsrichtergespanns am Vorabend echauffierte.

“Es ist schade, dass das Spiel nicht nur auf sportlicher Ebene entschieden wurde. Ich bin mit einigen Entscheidungen nicht wirklich einverstanden. Aber ich will den Spaniern keinen Vorwurf machen”, sagte Heuberger. DHB-Manager Heiner Brand ergänzte: “Gerade in der Schlussphase waren die Schiedsrichter-Entscheidungen nicht sehr glücklich.” Allein ausschlaggebend war dies jedoch nicht. Es blieben zu viele Chancen ungenutzt. Nicht zum ersten Mal im Verlauf des Turniers. Dennoch zeigt der Trend der Mannschaft zumindest leicht nach oben.

Folgerichtig will beim DHB auch niemand eine Diskussion um Heuberger eröffnen. “Wir sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden und werden nicht von unserer Linie abweichen. Seine Verpflichtung war eine konzeptionelle Entscheidung”, sagte Strombach. Auch der noch bis 2014 gebundene Coach selbst schloss persönliche Konsequenzen aus: “Aufgeben kann man Pakete bei der Post. Ich werde nicht aufgeben, sondern versuchen, etwas zu entwickeln”, sagte der Schutterwalder, auf den nun schon die nächste schwierige Aufgabe wartet. Im Juni geht es um die WM-Qualifikation.

“Das ist das nächste große Ziel”, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier: “Ein großer Umbruch im Kader ist aber nicht möglich. Es gibt ja aus der Bundesliga nur wenige Alternativen.” Heuberger ist dennoch nicht bange: “Ich werde meinen Weg weitergehen.” Zunächst braucht der Coach jedoch nur eines: Ruhe. “In den nächsten Tagen werde ich in die Analyse gehen. Danach muss ich dann aber auch irgendwann an mich denken. Dieses Turnier hat sehr viel Kraft gekostet”, sagte Heuberger.

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