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15.07.2009

In Lederhose vor dem Laptop

(openPR) – Das Schafkopfen drohte vielerorts bereits auszusterben, doch durch das Internet erlebt es jetzt einen ungeahnten Boom. In der größten Schafkopf-Community sauspiel.de karteln bereits über 100.000 Spieler aus aller Welt – von Schnaitsee bis Sydney.

„Moment. Kurze Pause. Bin gleich wieder da,“ schreibt Gerd im „Tratsch“ und die Mitspieler wissen sofort Bescheid, dass es nun ein paar Minuten dauern kann, bis er seine nächste Karte ausspielt. Denn sobald ein Kunde die Tankstelle im niedersächsischen Vollbüttel betritt, kann der 63-jährige Gerd keine Rücksicht mehr auf seine Mitspieler nehmen und ab sofort ist nur noch der Kunde Herz-König. Aber nicht nur in der niedersächsischen Provinz spielt das Bayerische Blatt eine gewichtige Rolle. „Es ist einfach nur schön, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf einen gemütlichen Schafkopf zu treffen. Und dass Karteln an der nordafrikanischen Küste so viel Spaß machen kann, hätte ich wirklich niemals gedacht“, sagt Dietmar, gebürtiger Neu-Ulmer und seit vier Jahren wohnhaft in Algier. Tagsüber kümmert sich der 40-jährige Betriebswirt im Auftrag eines deutschen Baukonzerns um den reibungslosen Ablauf beim Tunnelbau für die U-Bahn in der algerischen Hauptstadt am Mittelmeer. Nach der Arbeit hingegen ist er als „Ulmer“ beim Schafkopfen im Internet anzutreffen und hält so regelmäßigen Kontakt zur Heimat. In der Schafkopf-Gemeinschaft unter der Internet-Adresse www.sauspiel.de ist er einer von bereits über 100.000 Spielern, die am heimischen Rechner zur Maus greifen, um die Karten auf den Tisch zu hauen. Und obwohl der eigentliche Lebensmittelpunkt für viele der so genannten „Sauspieler“ mittlerweile oft weit weg von Bayern liegt, gibt es rund um die Uhr und an jedem Ort der Welt eine Leidenschaft, die alle teilen: Die Liebe zum Schafkopf.

Diese Liebe wird aber beileibe nicht überall erwidert: Obwohl das urbayerische Kartenspiel als fester Bestandteil der bajuwarischen Kultur und Lebensart angesehen wird, verbieten immer mehr Wirte in Bayern das Schafkopfen in ihren Gaststätten. Den erhöhten Lärmpegel, Streitereien und derbe Flüche, die nicht in eine Gaststätte moderner bayerischer Prägung passten, führen die Wirte als Gründe für ein Verbot an. Dieses Problem entfällt für den „Nordamerika-Stammtisch“, der von dem bayerischen Auswanderer Reinhard ins Leben gerufen wurde. Der 45-jährige Kulmbacher, der vor über 20 Jahren nach Charlotte in North Carolina ausgewandert ist, spielte auf Sauspiel.de nach einer achtjährigen Durststrecke erstmals wieder Schafkopf. Durch Sauspiel hat er andere bayerische Auswanderer in Nordamerika kennen gelernt, wie den „Richie“ und den „Sepperl“ aus Calgary. Zuhause vor dem Computer genießt er die authentische Spielatmosphäre in der virtuellen Wirtschaft, in der man „fast genau so wie an einem echten Stammtisch gemütlich sein Bier trinken und über das Headset ratschen, schimpfen und meckern kann.“ Und ein „Live“-Stammtisch irgendwo zwischen Charlotte und Calgary ist für die schafkopfbegeisterten „bayerischen Amerikaner“ selbstverständlich schon in Planung.

Online Freunde finden und offline treffen

Die Verknüpfung zwischen der Online- und Offline-Welt war von Anfang an eines der wichtigsten Ziele bei der Gründung von Sauspiel.de durch drei bayerische Studenten in Berlin. „Wir wollen insbesondere Exil-Bayern auf der ganzen Welt ein Stück Heimat im Internet bieten und vor allem, dass Schafkopfer überall zueinander finden können. Weil das echte Zusammenspielen und gesellige Beisammensein ist doch immer noch das Schönste beim Schafkopfen,“ betont die Sauspiel-Geschäftsführerin Agnes Reissner, die es vor einigen Jahren zum Studium von München nach Berlin verschlagen hat. Kurioserweise gibt es sogar Spieler, die das Schafkopfen nur über das Internet gelernt und erst danach eine echte Runde gespielt haben. Die 36-jährige Fränkin Gila mit dem Spielernamen „MissCroft“ wohnt heute im Norden Englands und hat sechs Monate nach ihrer Anmeldung auf Sauspiel.de ihre erste echte Schafkopf-Runde bei einem Heimatbesuch in Augsburg gespielt. Aber auch im Stammland des Schafkopf sind durch das gemeinsame Spielen im Internet zahlreiche Stammtische entstanden, die es ohne die Online-Plattform wohl nie gegeben hätte. In regelmäßigen Abständen finden in Augsburg, München, Nürnberg und Kempten generationsübergreifende Treffen mit unterschiedlichsten Schafkopfern statt. Ohne Rücksicht auf Herkunft und Status karteln Schüler, Studenten, Freiberufler, Angestellte, Unternehmer und Rentner zusammen. Aber an welchem Ort der Welt auch gespielt wird, und egal ob jung oder alt, weiblich oder männlich, Schüler oder Rentner. Eines der ältesten Schafkopfgesetze hat auch im Internet von Schnaitsee bis Sydney nach wie vor Bestand: Der Ober sticht den Unter.

Die Online-Plattform „Sauspiel – Schafkopf für Freunde” wurde von den vier Münchnern Agnes Reissner, Jan Bromberger, Martin Kavalar und Stephan Eichler im April 2007 als Sauspiel GmbH mit Sitz in München gegründet. Sauspiel.de ist innerhalb weniger Monate zur größten Online-Community für Schafkopf im Internet geworden. Die Leidenschaft der Gründer zum Schafkopf in Verbindung mit der konzeptionellen und technischen Internet-Kompetenz sorgen für stetige Innovationen bei gleichbleibender Authentizität. Mittlerweile spielen über 100.000 Mitglieder um Punkte, Spielgeld und Echtgeld – rund um die Uhr und an jedem Ort der Welt. Die Schafkopf-Plattform www.sauspiel.de richtet sich ausschließlich an Schafkopfspieler. Neben der Möglichkeit zum Spielen gibt es eine große Community und viele Funktionen, mit der sich die Spieler untereinander vernetzen und kommunizieren können.

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