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In Barros-Prozes deutet sich ein Freispruch an

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24.04.2012

Wolfsburg In Barros-Prozes deutet sich ein Freispruch an

Volkert stützt Aussage der Ex-Geliebten – Richter hat danach „ernsthafte Zweifel“ an Verurteilung.

Wolfsburg – Im Prozess gegen die Ex-Geliebte des früheren VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert deutet sich ein Freispruch an. Der Vorsitzende Richter Holger Kuhlmann sagte, das Gericht habe „ernsthafte Zweifel“ an einer Verurteilung. Vorher hatte Volkert am Dienstag in einer umfassenden Zeugenaussage die Haltung seiner Ex-Geliebten gestützt.

Die Brasilianerin Adriana Barros muss sich wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue vor dem Amtsgericht Wolfsburg verantworten, weil sie zusammen mit dem schon vor Jahren verurteilten Volkert den VW-Konzern geschädigt haben soll.

Barros hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in 26 Fällen mit Scheinrechnungen und der Abrechnung von privaten Reisekosten dabei geholfen, den größten Autohersteller Europas um rund 350.000 Euro zu schädigen. Volkert sagte nun, er habe Filme von ihr bekommen.

Nach der Volkert-Aussage gab der Richter eine Erklärung ab. Er halte es „für gut möglich“, dass sich der Anklagevorwurf im Hauptkomplex der Staatsanwaltschaft, den Agenturverträgen über Filme, nicht nachweisen lasse. Allerdings könne sich diese Einschätzung des Gerichtes durch weitere Beweise noch ändern.

Volkert hatte als Zeuge gesagt, die umstrittenen Agenturverträge seien seine Idee gewesen, und er habe „einen Beutel voll“ Filme von Barros als Arbeitsleistung erhalten.

Zur Frage von Privatreisen von Barros auf VW-Kosten sagte Volkert, „sie als meine Freundin“ könnte der Ansicht gewesen sein, er habe die Trips privat bezahlt: „Ich halte das für möglich.“

Volkert und Barros waren von 1998 bis 2005 ein Liebespaar, er hatte sie in einen Club kennengelernt. Als Betriebsratsvorsitzender setzte er beim VW-Vorstand hoch bezahlte Film-Projekte für seine Freundin, die Fernsehjournalistin, durch. Vor Gericht sahen sich die beiden zum ersten Mal, seit die VW-Affäre um Spesenbetrug und Sexreisen 2005 aufflog. Volkert hatte damals die Affäre per Email beendet. Volkert nickte Barros im Gerichtssaal nur zur Begrüßung und zum Abschied zu und blickte sie ansonsten nicht an. Barros hörte sich seine Aussage ungerührt an.

Laut Staatsanwaltschaft betrug der Schaden für VW 253.000 Euro wegen der Scheinverträge und 104.000 Euro für die Privatreisen rund um die Welt. Das Gericht hatte per Strafbefehl eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gegen die Frau verhängt, dem sie widersprach.

Die 47-Jährige weist die Vorwürfe zurück. Sie sagt, Volkert habe sie zu den Reisen eingeladen. Für die erhaltenen Honorare habe sie an VW Filme geliefert.

Der Skandal hatte den Konzern 2005 erschüttert. Volkert musste als einziger der Täter in Haft, ist aber inzwischen wieder frei. Der 69-Jährige war wegen Beihilfe und Anstiftung zur Untreue zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden und saß davon 22 Monate ab.

Vor Volkert sagte am Dienstag ein VW-Rechnungsprüfer als Zeuge aus. Er nannte die Zahlungen von VW an die Angeklagte unüblich. Es habe keinen Vertrag darüber gegeben, sagte er.

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