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Wolfgang Stark: Immer im Fokus – am liebsten unsichtbar

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19.01.2012

Stark Wolfgang Stark: Immer im Fokus – am liebsten unsichtbar

Schiedsrichter Wolfgang Stark leitet am Wochenende sein 250. Bundesligaspiel.

Landshut – Er hat mehr Bundesligaspiele als Rudi Völler, Uwe Seeler oder Horst Hrubesch bestritten. Den Beliebtheitsgrad der drei ehemaligen Nationalstürmer wird er aber nie erreichen – im Gegenteil. Wenn Schiedsrichter Wolfgang Stark im Mittelpunkt steht, dann gibt es meistens mindestens eine Fraktion im Stadion, die – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich unzufrieden ist. Lob gibt es praktisch nie; damit kann er auch nach seinem 250. Bundesligaspiel nicht rechnen.

Für viele Spieler wirkt Stark arrogant. Einige sagen sogar, dass er sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellt, dabei will der 42-Jährige das genaue Gegenteil. “Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn nach dem Spiel überhaupt nicht über den Schiedsrichter geredet wird, dann hat er seinen Job unauffällig und fehlerfrei erledigt”, sagt der Bankkaufmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Dabei weiß er, dass es häufig ein unerfüllter Wunsch bleibt.

Drohungen und Beschimpfungen hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Stark, der sein erstes Bundesligaspiel am 4. April 1997 bei der 2:5-Niederlage des 1. FC Köln gegen den MSV Duisburg geleitet hat. “Die Hemmschwelle, hauptsächlich seitens der Fans, ist mit den Jahren eindeutig gesunken. Aber als Schiedsrichter ist man darauf eingestellt, und ich kann da eigentlich sehr gut mit umgehen”, sagt Stark, der mit Freunden, der Familie und Kollegen über Spiele, Entscheidungen und Vorfälle redet. “Das hilft mir persönlich, um Dinge zu verarbeiten. Psychologische Hilfe habe ich bisher nicht gebraucht, und ich hoffe auch, das bleibt so.”

Nervenstärke ist bei dem Unparteiischen heutzutage mehr denn je gefragt, denn: “Das Schiedsrichterdasein hat sich extrem verändert. Die Spiele sind schneller geworden und die Entscheidungen deshalb deutlich kniffliger”, sagt Stark. “Zudem hat der Druck auf uns Schiedsrichter unheimlich zugenommen. Das habe ich vor zehn, 15 Jahren so extrem nicht erlebt.” Jeder Situation werde seziert, von Dutzenden Kameras eingefangen und analysiert.

Besonders in den Partien mit großer Brisanz – die aber mag Stark ganz besonders. “Es sind vor allem die Derbys, also Schalke gegen Dortmund oder Köln gegen Gladbach, die etwas Besonderes sind – auch für mich als Schiedsrichter”, sagt der Landshuter, der für den Landesverband Bayern pfeift und daher keine Bayern-Spiele leiten darf. “Ansonsten sind es natürlich die Jubiläumsspiele, an die man sich erinnert, also neben dem ersten Spiel auch das 100. und gewiss wird mir auch das 250. in besonderer Erinnerung bleiben.”

Auch eine Partie in Wolfsburg Ende der 90er Jahre wird dem 1,90-Meter-Hünen wohl immer in Erinnerung bleiben. “Damals habe ich ein Handspiel auf der Torlinie nicht erkannt. Statt einer Roten Karte und Elfmeter zu geben habe ich weiterspielen lassen – über so etwas ärgert man sich noch Jahre”, erinnert sich Stark an seine größte Fehlentscheidung, für die er damals kritisiert wurde. “Jeder hat mal einen schlechten Tag – Spieler und Schiedsrichter – dann kann man natürlich kein Lob erwarten. Mit konstruktiver Kritik kann ich jedoch sehr gut umgehen.”

Zur Besserung des Verhältnisses zwischen Spielern und Schiedsrichtern wünscht sich der Routinier, der gerne noch bis zur Altersgrenze von 47 Jahren in der Bundesliga pfeifen möchte, einige Veränderungen: “Der Chip im Ball wäre eine große Hilfe. Zudem sollte man die Doppelbestrafung bei der Verhinderung einer Torchance im Strafraum abschaffen. Gelb und Elfmeter sind Strafe genug, einen Platzverweis sollte es nur bei einem groben Foulspiel zusätzlich geben”, sagt Stark. Zudem sollten “alle Beteiligten respektvoller miteinander umgehen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusster werden”.

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