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Schweden diskutiert Fahrgasthygiene

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26.02.2013

Fahrt im Bus verweigert Schweden diskutiert Fahrgasthygiene

Einem ungewaschenen Mann wurde die Fahrt im Bus verweigert.

Stockholm – Ein notorischer Stinker hat in Schweden eine Debatte über die Hygiene von Fahrgästen entfacht. Nachdem sich immer wieder Passagiere und Busfahrer in der Region Uppland über den streng riechenden Mann beschwert hatten, war ihm die Mitnahme in öffentlichen Nahverkehrsmitteln verweigert worden, bis er seine Hygiene verbessert.

Busfahrer sammeln Unterschriften

„Beim Geruch des älteren Herrn hat es sich wirklich um einen Extremfall gehandelt“, erklärt Sture Jonsson, Pressechef des Busbetreibers Upplands Lokaltrafik (UL), die ungewöhnliche Maßnahme. Der Fahrgast nahm häufig den Bus und war dabei jedes Mal aufgefallen. Wegen des strengen Geruchs stiegen andere Passagiere oft vorzeitig und fluchtartig aus. Außerdem wurde den Busfahrern zuweilen ungewöhnlich grob klargemacht, dass der Gestank des Mannes unzumutbar sei. Sie sammelten schließlich Unterschriften und schrieben einen Brief an die Nahverkehrsverwaltung. „Denken sie an den schlimmsten Gestank, den sie sich überhaupt vorstellen können und dann legen sie da noch mal zehn Prozent drauf“, sagte einer der Busfahrer, Göran Frick, der Lokalzeitung „Uppsala Nya Tidningen“.

„Wir beschlossen auf den Brief hin, die Sache näher zu untersuchen und den Mann zuhause aufzusuchen“, sagt Pressechef Jonsson. Die Mitarbeiter trafen einen Mann mit massiven sozialen Problemen an. Der Mann zeigte sich aber einsichtig. „Ihm war bewusst, dass er zu sehr stinkt und bat uns um Hilfe. Wir vermittelten ihm Kontakte bei zuständigen Behörden, aber wiesen darauf hin, dass er nicht mehr mitgenommen wird, bis sich seine Hygiene verbessert hat“, sagt Jonsson.

Kritik von Obdachlosenverbänden

In Schweden trifft die Entscheidung nicht nur auf Zustimmung. Obdachlosenverbände warnen vor einer Stigmatisierung sozial schwacher Gruppen. Schließlich habe der Mann im Gegensatz etwa zu jugendlichen Radaumachern nicht absichtlich den Nahverkehr stören wollen. Jemandem, der nicht in der Lage sei, sich um die eigene Hygiene zu kümmern, auch noch das einzige Transportmittel zu verwehren, etwa um zum Sozialamt oder anderen Hilfseinrichtungen zu fahren, verschlimmere die Situation für diese Menschen.

Die Schweden sind sonst nicht empfindlich. Schilder in Bussen und Bahnen weisen regelmäßig darauf hin, dass Fahrgäste aus Rücksicht auf Allergiker kein Parfum oder starkes Deodorant benutzen sollen. Verboten ist es jedoch nicht. Zudem ist der Nahverkehr im alkoholliebenden Schweden an Wochenenden traditionell überfüllt von torkelnden Betrunkenen, die meist auch nicht gut riechen.

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