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Hoffen auf ein Herz für Menschen

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18.01.2012

Fluglärm Hoffen auf ein Herz für Menschen

Bürgerinitiativen gegen Fluglärm präsentieren Bouffier ihre Forderungen.

Wiesbaden – Sie standen in der Kälte vor der Staatskanzlei und hofften dennoch auf einen warmen Empfang: Gut 25 Fluglärmgegner waren am Mittwoch aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet nach Wiesbaden gekommen, um dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) ihre Forderungen zu präsentieren. “Wir hoffen, dass wir den Ministerpräsidenten zum Nachdenken bringen”, sagte Eric Ludwig von der Bürgerinitiative Hanau. Hanau liege bei Westwind genau in der Einflugschneise zum Frankfurter Flughafen, Westwind aber herrsche an Dreiviertel aller Tage im Jahr. “Da muss ein Deckel drauf”, forderte er.

Gut 40 Fluglärmgegner waren vor die hessische Staatskanzlei gekommen, um ihren Protest in die Politik zu tragen. Stefan Indra war sogar eigens aus dem rheinhessischen Nieder-Hilbersheim nach Wiesbaden gekommen. Sein Ort liegt zwar 40 Kilometer westlich vom Flughafen, bei Ostwind ist aber auch hier Ruhe ein Fremdwort. “Die Flugzeuge machen am Rhein nicht Halt, und der Lärm auch nicht”, sagte Indra. Die Hochheimerin Julia Wolf hatte sogar eine Wunschbox für den Ministerpräsidenten dabei mit 150 Briefen. Der Hauptwunsch an Bouffier sei, “dass er einsieht, dass die Menschen das Herz der Region sind”, sagte Wolf.

Seit der Eröffnung der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen im Oktober 2011 liegen die Nerven in der Region blank. Eine Protestwelle hat die gesamte Rhein-Main-Region erfasst. “Die Wut wächst, der Protest wird immer lauter”, sagt die Hochheimerin Birgit von Stern. Die Menschen hätten nicht nur Angst um ihre Immobilien und ihre Gesundheit, sondern gleich um ihre ganze Heimat. “Viele werden hier nicht wohnen bleiben”, sagt sie. Die Politiker aber verlören immer mehr an Glaubwürdigkeit. Bouffier müsse endlich mal die zahllosen Versprechen einhalten, sagt Stern: “Wir wollen Taten sehen”, betonte Stern.

Welche Taten das sein sollen, machte Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses von mittlerweile 70 Bürgerinitiativen klar: “Nur die Stilllegung der neuen Landebahn kann uns helfen”, betonte sie. Dazu forderte das Bündnis der inzwischen 70 Bürgerinitiativen ein Nachtflugverbot auch in den Randzeiten zwischen 22.00 und 23.00 Uhr sowie zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr morgens, sowie eine Begrenzung der Flugbewegungen auf 380.000 im Jahr. Diese Forderungen präsentierten die Fluglärmgegner dann auch in ihrem Gespräch mit Bouffier.

Nach gut zwei Stunden waren dann die Mienen so versteinert wie offenbar die Fronten in dem Gespräch verhärtet waren. Einigkeit habe man nicht erzielt, sagte Bouffier. Die Forderungen nach Stillegung und Kapazitätsbegrenzung lehnte er rundweg ab. “Wir halten es nicht für richtig, einen Weltflughafen, der weit über unsere Region hinaus Existenzen schafft, seiner Wirkung zu berauben”, sagte der Ministerpräsident. Dass er gleichzeitig von einem “fairen Ausgleich” zwischen Wirtschaft und Bedürfnissen der Menschen sprach, traf auf wenig Gegenliebe.

Die Regierung gebe weiter “dem Wachstum Vorrang vor den berechtigten Interessen der Bevölkerung”, sagte die Sprecherin der Bürgerinitiativen, Kopp, nach dem Gespräch. Ansonsten mochte niemand von den Bürgervertretern viel sagen. “Wir haben sehr wenig erwartet, das ist erfüllt worden”, sagte Michael Wilk vom Bündnis der Initiativen.

Ob man wieder kommen werde, falls es eine weitere Einladung gebe, sei aber fraglich, fand Kopp: “Die zwei Stunden hätte man besser nutzen können.” Für die Bürgerinitiativen gab es danach nur eine Konsequenz: Man werde die Montagsdemos ausbauen, Großdemonstrationen veranstalten und den Protest bundesweit organisieren. Der Regierung gehe es offenbar “weniger um einen Dialog, und mehr um eine Machtprobe”, der werde man sich stellen, betonte Wilk: “Wir werden weiter dahin gehen, wo wir stören.”

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