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Hochstapler führt Walter Mixa aufs Glatteis

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23.02.2012

Betrug Hochstapler führt Walter Mixa aufs Glatteis

Ehemaliger Bischof half mit knapp 5.000 Euro aus angeblicher Notlage.

Ingolstadt – Es klingt wie aus einem Lehrfilm der Polizei: Das Telefon klingelt. Ein wildfremder Mann erzählt von einer persönlichen Notlage und bittet um die Überweisung von Geld. Ein solcher Anruf wird dem ehemaligen Bischof von Augsburg, Walter Mixa, eines Tages von der Pforte im Kloster Fünfstetten durchgestellt. Mixa will helfen und überweist dem Anrufer Michele B. leihweise gut 2.300 Euro. Als dieser kurz darauf per Brief um zusätzliches Geld bittet, zahlt Mixa weitere 2.500 Euro an den Mann, der sich im Nachhinein als begabter Lügner herausstellt.

Mixa sieht sein Geld nie wieder und trifft stattdessen am Donnerstag im Landgericht Ingolstadt auf Michele B.. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29-jährigen Angeklagten Diebstahl und Betrug vor. Die Liste seiner Vorstrafen ist so lang, dass es fast eine Stunde dauert, bis sie der Richter vorgetragen hat.

Die Zuhörerreihen im Saal 110 sind nicht allein wegen des mutmaßlichen Betrügers bis auf den letzten Platz gefüllt. „Ich will den Mixa endlich einmal live sehen“, flüstert eine Dame ihrer Begleiterin zu. Es ist der erste öffentliche Auftritt des einstigen Augsburger Oberhirten seit seinem Rücktritt im Frühjahr 2010.

Angeklagter erfindet Krankheitsgeschichten

Mixa sagt über seine Leichtgläubigkeit vor Gericht: „Ich habe aus einer Haltung des Mitgefühls helfen wollen.“ Er habe schon mehrfach Menschen finanziell unterstützt, wenn sie sich in einer Notsituation befunden hätten. Die meisten hätten das Geld wieder zurückgezahlt. „Herr B. hat mir am Telefon gesagt, dass er an schwerer Leukämie erkrankt sei. Seine Tochter leide an der Glasknochen-Krankheit. Er liege nun hilflos im Krankenhaus, während seine Frau die Schulden nicht mehr bezahlen könne“, trägt Mixa jene Geschichte vor, die ihm der kerngesunde, ledige und kinderlose 29-Jährige seinerzeit auftischte.

In einem Brief habe ihm der Angeklagte später sogar eine Rückzahlung der Summe in monatlichen Raten in Aussicht gestellt. „Lieber Bischof Walter (?), ich danke Dir in stiller Umarmung“ schreibt Michele B., der als Jugendlicher kurz Ministrant in Eichstätt war, in dem Brief und wünscht Mixa „Gottes Segen“.

Angeblicher Austauschpolizist aus Hawaii

Der Ex-Bischof befindet sich in einem ansehnlichen Kreis weiterer Opfer: Auch zwei Ordensschwestern des Klosters Fünfstetten fallen auf die herzzerreißende Geschichte des Lügenbarons herein und geben ihm ebenfalls das erbetene Geld. Sogar Polizeibeamte gehen Michele B. auf dem Leim: Er gibt sich mehrfach als Austauschpolizist „Charly McLaren“ vom Polizeidepartment Honolulu in Hawaii aus.

„Er hat perfekt amerikanisch gesprochen, ein T-Shirt mit der Aufschrift der Polizeistation auf Hawaii getragen und eine Art Dienstausweis vorgezeigt“, berichten die Polizisten dem staunenden Richter. Bei Honolulu und Haiwaii werden die Profis nicht stutzig. Im Gegenteil: Michele B. wird ein Rundgang durch eine Abteilung bei der bayerischen Polizei angeboten. Sogar Bilder aus einem Mordfall seien ihm gezeigt worden, sagt eine Polizeibeamtin aus. Erst als „Charly“ eine Runde mit einem Streifenwagen fahren will, lehnen die Polizisten ab.

In einem Autohaus hat Michele B. mehr Glück: Er tritt als vermögender Arzt in Erscheinung und darf einen 65.000 Euro teuren Mercedes zur Probe fahren – dass „Dr. Michele“ gar keinen Führerschein hat, ist dem Autohändler nicht bewusst.

Am 8. März 2012 soll das Urteil verkündet werden. Bereits bei einer seiner zahlreichen früheren Verurteilungen wurde Michele B. eine schwere Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägtem Geltungsdrang bescheinigt.

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