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Hochoffizielle Krisenstimmung

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24.02.2012

FC Bayern München Hochoffizielle Krisenstimmung

Heynckes zittert trotz Alarm nicht um seinen Job.

München – Spätestens seit Donnerstagmorgen um exakt 00.01 Uhr ist die Alarmstimmung bei Bayern München offiziell. Und so war es auch irgendwie passend, dass Trainer Jupp Heynckes zum obligatorischen Pressetermin am Freitag im schwarzen Anzug erschien – und wie Karl-Heinz Rummenigge rund 36 Stunden zuvor zur Grundsatzrede ansetzte. „Die Situation ist ernst. Es gibt Redebedarf, und die Kritik an meiner Person ist berechtigt“, sagte der 66-Jährige sichtlich gezeichnet vom Horrortrip nach Basel. Über den möglichen Verlust seines Jobs macht er sich vor dem Schlager am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Verfolger Schalke 04 aber offiziell „keine Gedanken“.

„Ich bin verantwortlich für das Ganze, deshalb muss ich versuchen, die Wende herbeizuführen. Darüber hinaus denke ich nicht über andere Dinge nach“, stellte Heynckes klar. Die Trainerdiskussion will der Altmeister so lange wie möglich hinauszögern – auch wenn er weiß, dass nach dem Verlust der Liga-Tabellenführung und dem drohenden Aus in der Königsklasse eine weitere Niederlage auch ihn langsam in Bedrängnis bringen würde. „Spätestens seit Basel muss jetzt der letzte wachgerüttelt sein. Wir können nur noch in eine Richtung gehen, und zwar gemeinsam. Wir müssen schnellstmöglich zu einer Einheit werden“, forderte er mit ernster Miene. Der drohende Absturz auf Platz vier würde die Bosse wohl endgültig zum Handeln zwingen.

Freier Tag zum Nachdenken: „Wichtig, dass der Kopf frei wird“

„In den Wochen, die nun vor uns liegen, entscheidet sich für uns alle die Arbeit des ganzen Jahres“, schreibt Rummenigge im Vorwort des Programmhefts zum 84. Liga-Klassiker. Auch Heynckes‘ flammender Appell dürfte via Medien die Spieler erreicht haben, denen der Coach trotz Krisenstimmung am Freitag eine Pause gegönnt hatte. Zeit, die Spielanalyse des „bitteren“ 0:1 beim FC Basel sacken zu lassen. „Ich habe dort sehr deutliche Worte gefunden“, sagte Heynckes.

Superstar Franck Ribery müsste daher spätestens seit Donnerstagmorgen wissen, dass sein verweigerter Handschlag in „dieser prekären Situation“ nicht unbedingt angebracht war. „Er hat mich halt nicht gegrüßt. Das ist doch normal im Fußball, wenn man verärgert ist“, sagte Heynckes zwar. Dennoch habe er seiner Truppe klar gemacht, „dass Teamgeist nun über allem steht. Die persönlichen Interessen müssen hinten angestellt werden.“

Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen

Die Ursachenforschung für den „Prozess, der nicht einfach zu verändern ist“, ist noch lange nicht abgeschlossen. Eigensinnige Superstars sind das eine, das Fehlen von Bastian Schweinsteiger das andere offensichtliche Problem. Heynckes drängt sich, wie dem Münchner Boulevard, aber wohl auch die Frage auf, wie ein Top-Team so ins Taumeln geraten kann. Ist der Kader zu dünn? Übernimmt Kapitän Philipp Lahm nicht die geforderte Führungsrolle? „Er geht immer vorne weg“, sagte Heynckes diplomatisch.

Zumindest räumte er erstmals ein, mit zu viel Optimismus in die Winterpause gegangen zu sein, „zu sorglos“. Die Jubel-Wochen der Hinrunde haben Spuren hinterlassen: „Es fehlen Ruhe, Sicherheit, Selbstvertrauen“, vor allem aber mangele es an Kommunikation. Und so begrüßte der Trainer auch den Kabinenstreit, den sich die Nationalspieler Thomas Müller und Holger Badstuber in Basel geliefert hatten. „Das ist ein Zeichen, dass die Mannschaft lebt. Mich würde es beunruhigen, wenn sie sich nicht ärgern würden.“

An der Münchner Säbener Straße herrscht derzeit andere Stimmung als in Gelsenkirchen. „Wenn man im Kopf frei ist und glücklich und froh, dann kann man alles schaffen“, sagte Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar nach dem 3:1 gegen Viktoria Pilsen – im lockeren Trainingsanzug.

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