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Hinweise auf Sprossenhof als EHEC-Quelle verdichten sich

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10.06.2011

EHEC Hinweise auf Sprossenhof als EHEC-Quelle verdichten sich

Hannover – Auf der Suche nach der Herkunft des grassierenden Darmkeims EHEC schließt sich die Kette von Indizien, die auf den Sprossenhof in Niedersachsen hindeuten. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“, der Bio-Betrieb sei „die Spinne im Netz“. Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden. Lindemann zufolge kann der Erreger auf zwei Arten in die Sprossen gekommen sein: Der Betrieb könnte verunreinigtes Saatgut gekauft haben oder ein Mitarbeiter die Erreger mitgebracht haben. Dies wäre eine Folge „mangelnder Hygiene“.

Der Leiter des Gesundheitsamts in Frankfurt am Main, René Gottschalk, deutete in „Focus“ an, Kompetenzmangel habe verhindert, dass die Spur zu den Sprossen früher verfolgt wurde. Das Amt hatte am 23. Mai nach zahlreichen Infektionsfällen zwei Frankfurter Firmenkantinen geschlossen, war aber beim Versuch gescheitert, die Lieferketten zurückzuverfolgen. „Wir hatten einen Verdacht gegen Sprossen“, so Gottschalk zu „Focus“. Doch könne selbst das zuständige Veterinäramt nicht „länderübergreifend“ ermitteln.

Experten sehen neben dem Darmkeim EHEC weitere Gefahren durch Bakterien in Lebensmitteln. Als „bedrohliches Geschehen“ bezeichnete der Lebensmittelhygieniker Lüppo Ellerbroek vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in „Focus“ die anhaltend hohe Zahl an Infektionen über die Nahrung: „Dadurch entsteht ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden.“ Mehr als 100.000 Deutsche erkrankten im Jahr 2009 durch eine bakterielle Lebensmittelinfektion.

Unter besonderer Beobachtung steht der Durchfall-Erreger Campylobacter, der seit einigen Jahren in Deutschland am häufigsten bakterielle Lebensmittelvergiftungen hervorruft. BfR-Fachmann Ellerbroek: „Wir haben alles versucht, den Keim einzudämmen und seine Verbreitung unter Kontrolle zu bringen. Leider bislang erfolglos.“ Nach Informationen des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist jede zweite Hähnchenfleisch- und jede fünfte Putenfleischprobe mit dem Bakterium kontaminiert.

Dass auch in sorgfältig gewaschenem Gemüse Erreger stecken können, fand der in Frankreich arbeitende Pflanzengenetiker Heribert Hirt heraus. Er wies nach, dass Salmonellen in Pflanzenzellen eindringen und sich dort vermehren können. Rohkost könne also auch nach gründlicher Reinigung noch infektiös sein. Die Erkenntnis habe „weit reichende Konsequenzen für die Sicherheitsforschung“, so Hirt zu „Focus“.

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