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Sonnenfinsternis

© Uwe Zucchi über dpa

20.03.2015

Himmelsspektakel Sonnenfinsternis begeisterte Millionen Menschen

Gegen 12 Uhr endete das Spektakel in Deutschland.

Berlin – Himmelsschauspiel zum Frühlingsanfang: Bei meist schönstem Wetter haben Millionen von Menschen in Europa am Freitagvormittag die Sonnenfinsternis verfolgt. Viele beobachteten durch gerade noch erhaschte „Sofi“-Brillen, wie der Neumond sich langsam vor die Sonne schob.

Andere drängten sich in Sternwarten. Das Stromnetz überstand die Verdunkelung der Sonne unbeschadet.

Nicht alle Beobachter schützten ihre Augen jedoch ausreichend. So meldeten sich etwa in der Uniklinik für Augenheilkunde von Frankfurt bis zum Nachmittag rund 15 „Sofi“-Fans. Auch die Charlottenklinik für Augenheilkunde in Stuttgart nahm nach der Sonnenfinsternis mehr Patienten auf als üblich. Experten hatten zuvor eindringlich davor gewarnt, direkt und ohne Schutz in die Sonne zu schauen. Dies kann Netzhautschäden bis hin zur Erblindung verursachen.

Geschützt mit Spezialbrillen betrachtete Astronaut Alexander Gerst mit Schülern vom Berliner Technikmuseum aus die „Sofi“. Dort wurden die Sieger im Ideenwettbewerb „Beschützer der Erde“ geehrt. In der Volkssternwarte Hannover verfolgten rund 200 Menschen das Schauspiel, vor den vier Teleskopen bildeten sich lange Warteschlangen.

In Neubrandenburg unterbrach ein Richter die Verhandlung gegen vier Rocker wegen bandenmäßigen Drogenhandels – gerade als der Staatsanwalt sich zu seinem Plädoyer erhoben hatte. Beim Volkswagen-Konzern gab es keine Extrawurst für die Arbeiter. Die Frühschicht habe aber in der Regel gegen 10.00 Uhr Pause, sagte ein Konzernsprecher. Damit hätten auch die Kollegen vom Fließband eine Chance gehabt, das Spektakel sehen. Ebenso verfuhr der Daimler-Konzern in Stuttgart. Selbst die Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA nutzten eine Sitzungspause in Zürich, um das Naturschauspiel zu verfolgen.

Der niederländische König Willem-Alexander und seine Frau Máxima hatten bei ihrem Besuch in Hamburg Glück, denn der Nebelschleier in der Stadt riss gelegentlich auf. So konnten auch sie einen Blick auf das Himmelsschauspiel werfen. Auf Sylt, wo der Mond die Sonne mit 83 Prozent am stärksten in Deutschland bedeckte, war es wie in vielen anderen Teilen Schleswig-Holsteins dagegen dicht bewölkt.

Von Nordrhein-Westfalen über den Nordwesten Niedersachsens und Schleswig-Holstein bis zur Küste von Mecklenburg-Vorpommern bedeckten Wolken ganz oder teilweise den Himmel. In NRW gingen einige Himmelsgucker daher etwa auf den Kahlen Asten – mit 842 Meter den zweithöchsten Berg des Bundeslandes – und wurden mit einem guten Blick belohnt. Auch auf der Zugspitze war bestes „Sofi“-Wetter. In London und in weiten Teilen Frankreichs gab es lange Gesichter: Schlechtes Wetter vermieste den Blick auf das Naturphänomen.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es dort somit nicht. Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Eine Wolkendecke hatte auf den Färöern jedoch im entscheidenden Augenblick die Sicht auf die totale Sonnenfinsternis versperrt. Kurz danach klarte es auf.

Enttäuscht waren die meisten der angereisten Touristen dennoch nicht. „Es ist schon ein seltener Anblick und beeindruckend zu sehen, wie das Tageslicht innerhalb weniger Minuten ausgeht und wieder angeht“, sagte Christoph Hennigfeld aus Düsseldorf.

Das deutsche Stromnetz bestand den Stresstest „Sofi“ mit Bravour. „Die Netzbetreiber waren gut vorbereitet und haben im Laufe der Sonnenfinsternis sehr gute Arbeit geleistet“, lobte der Präsident der Bundesnetzagentur in Bonn, Jochen Homann. „Das ist ein gutes Signal für die Energiewende“, ergänzte der Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz, Dirk Biermann. 

Nach der maximalen Abdeckung der Sonne durch den Mond mussten die Netze innerhalb kurzer Zeit einen gewaltigen Solarstrom-Anstieg verkraften: von unter 7000 auf knapp über 20 000 Megawatt. Zur Sicherheit hatten die Betreiber Reservestrom gekauft und einen Teil genutzt. Das kostete etwa 3,5 Millionen Euro – eine überschaubare Summe, da es pro Jahr weit über 20 Milliarden Euro an Förderung für die erneuerbaren Energien gibt. 

Wer die Sonnenfinsternis verpasst hat, muss lange warten: Erst am 25. Oktober 2022 ist eine partielle Sonnenfinsternis von Deutschland aus zu sehen. Die nächste totale Sonnenfinsternis gibt es über Europa 2026 – und in Deutschland erst 2081.

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