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Mit Mut nach oben

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27.01.2012

Hertha BSC Mit Mut nach oben

Herthas Trainer Skibbe strebt gegen den HSV die Trendwende an.

Berlin – Die Wintersonne senkte sich schon hinter das Berliner Olympiastadion, die Kälte kroch unbehaglich aus dem Rasen, da wollte Michael Skibbe die Szenerie noch einmal anheizen. “Konkreter, Männer, mutiger!”, forderte der Übungsleiter des Bundesligisten Hertha BSC in Ruflautstärke. Seine Worte verhallten indes ungehört, A- und B-Team trennten sich torlos.

Ein unbedeutendes Trainingsspiel, und doch gab die Szene ein wenig Aufschluss über das, was Skibbe derzeit in der Hauptstadt zu bewältigen hat. Er muss seinen Spielern die Erinnerung an die ernüchternde 0:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg nehmen, mit der die Berliner hinter die Franken zurückgefallen sind. Vor allem aber muss er seiner Mannschaft den in der Hinrunde kultivierten Heimkomplex ausreden.

Wenn drei Heimspiele (zwei Meisterschafts- und ein Pokalspiel) in zwölf Tagen anstehen, denkt man als Verantwortlicher auch besser nicht daran, dass die Bundesliga-Heimtabelle den eigenen Klub auf dem vorletzten Rang ausweist, dass die eigene Elf zuhause nur zwei Siege in acht Spielen vollbracht hat und oft seltsam gehemmt aufgetreten ist.

Dass die Spiele vor den eigenen Fans eine Belastung sein könnten, will der ehemalige Bundestrainer freilich nicht gelten lassen: “Ich gehe fest davon aus, dass es eine Chance ist und man im eigenen Stadion die Zuschauer auch hinter sich bekommt, wenn man auf dem Spielfeld alles gibt”, sagt Skibbe auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV (Samstag, 15.30 Uhr). Und kurz darauf stellt er, damit auch wirklich keine Zweifel aufkommen, dann noch fest: “Drei Heimspiele in Folge sind mir lieber als drei Auswärtsspiele.”

Nun ist Herthas latente Abneigung gegen Spiele im Olympiastadion Skibbe nicht einmal anzulasten. Sein Problem ist lediglich, dass schlechte Serien nicht zusammen mit dem Trainer aus dem Verein scheiden. So übernahm Skibbe von Markus Babbel nicht nur das Amt, sondern auch die Heimmisere und obendrein noch die Hypothek von sechs sieglosen Bundesliga-Partien in Serie – und fügte dieser im ersten Rückrundenspiel besagte Pleite in Nürnberg hinzu. So ist also Michael Skibbes Team seit sieben Spielen sieglos, obwohl es streng genommen erst seit einem Spiel in Folge sieglos ist. So funktioniert die Arithmetik des Fußballs.

Immerhin: Es gibt noch Mannschaften, die schlechter drauf sind. Herthas Gegner vom Samstag zum Beispiel, der Hamburger SV, der ist gerade mit 1:5 gegen Borussia Dortmund unter die Räder gekommen. Zuhause. “Wir wissen, dass die Hamburger auch angeschlagen sind nach der deutlichen Niederlage am Wochenende”, sagt Skibbe.

Der Plan für das Spiel am Samstag, bei dem mindestens 47.000 Fans erscheinen werden, ist deshalb simpel: Ball gewinnen – und dann aber fix. “Wir wollen es schaffen, in den Heimspielen ein schnelles Umschaltspiel von Defensive auf Offensive zu schaffen, um dann auf einen schlecht organisierten Gegner zu treffen”, erklärt Skibbe. Möglicherweise wird auch der am Donnerstag vorgestellte Neuzugang Felix Bastians beim fixen Umschalten helfen. Der Verteidiger kommt vom SC Freiburg und ist laut Skibbe “eine Alternative” für das Spiel gegen den HSV.

Die eigenen Angriffe sollen am besten so schnell ablaufen, dass die Spieler nicht daran denken, was alles passieren könnte, wenn es doch schief geht. Bis auf den Relegationsplatz 16 können die Berliner nämlich an diesem 19. Spieltag abfallen.

Denn die Mannschaften auf Rang 15 bis 18 spielen allesamt gegeneinander – und der 13. (Hertha) gegen den 14. (Hamburg). Ein Djà-vu zur Vorwoche wollen die Berliner tunlichst vermeiden: Auf keinen Fall darf der nächste Konkurrent im direkten Vergleich vorbeiziehen. “Die Punkte sind wichtig für uns, wir wollen die Hamburger über 90 Minuten auf jeden Fall schlagen”, sagt Skibbe, der weiß, dass es auch um Besitzstandswahrung geht: “Es sind 18 Spieltage gespielt, und wir stehen auf Position 13. Daher wissen wir, worum wir zu kämpfen haben.”

Und so hat Skibbe zum Abschluss auch noch eine klassische Abstiegskampf-Einheit durchführen lassen: Flanken und Kopfbälle.

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