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Lebenslang für Fünffachmörder

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08.02.2012

Henstedt-Ulzburg Lebenslang für Fünffachmörder

Kieler Landgericht sieht besondere Schwere der Schuld – Morde zwischen 1969 und 1984.

Kiel – Wegen Mordes an fünf Frauen in Norddeutschland muss ein 65 Jahre alter Handwerker lebenslang hinter Gitter. Mit seinem Urteil folgte das Kieler Landgericht am Mittwoch in weiten Teilen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Allerdings verneinte die Schwurgerichtskammer eine besondere Schwere der Schuld. Die Verteidiger hatten in ihrem Plädoyer eine Strafe unterhalb von lebenslang gefordert. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn Ende Dezember den Mord an fünf jungen Frauen zwischen 1969 und 1984 gestanden.

“Es ging dem Angeklagten gerade nicht um das Töten seiner Opfer. Es ging ihm darum, sie wehrlos zu machen und zum Schweigen zu bringen”, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in seiner Urteilsbegründung. Hintergrund für die Taten seien laut Gutachtern Kränkungen und Frustrationen gewesen. “Der Angeklagte hatte Schwierigkeiten im Umgang mit Frauen.”

Nach seinem fünften Mord im Jahr 1984 an der 18-jährigen Schwesternschülerin Gabriele S. hatte Hans-Jürgen S. noch 27 Jahre unentdeckt gelebt, zuletzt nur rund einen Kilometer entfernt von der Mutter der Schwesternschülerin. “Es ist davon auszugehen, dass er in den letzten 28 Jahren völlig straffrei gelebt hat”, sagte Staatsanwalt Matthias Daxenberger.

Erst 42 Jahre nach dem ersten Mord waren die Ermittler vergangenes Jahr durch verfeinerte DNA-Untersuchungsmethoden auf seine Spur gestoßen. Eine Speichelprobe seines Bruders war dem heute 65-Jährigen zum Verhängnis geworden – sie ähnelte seinem eigenen Erbmaterial. In Haft gestand er vier weitere Morde aus dem Zeitraum 1969 bis 1972. “Die ersten vier Morde hat er ohne Not eingeräumt”, sagte Richter Brommann. Anderenfalls seien die Taten möglicherweise nie aufgeklärt worden.

Angeklagter laut Gericht voll schuldfähig

In den ersten vier Fällen zwischen 1969 und 1973 tötete der Mann nördlich von Hamburg und in der Hansestadt die jungen Frauen jeweils zuerst, bevor er sich an ihnen verging oder es zumindest versuchte. Mit dem ersten Opfer hatte er seinen ersten Geschlechtsverkehr überhaupt. Später war er lange Zeit verheiratet und lebte bis zu seiner Überführung unauffällig.

Sein letztes Opfer vergewaltigte er 1984 zunächst, bevor er die Anhalterin tötete, um seine Entdeckung zu verhindern. Die Leichen legte er teilweise an entfernten Orten ab. Das Gericht sah teilweise mehrere Mordmerkmale vorliegen.

Das Landgericht kam zu dem Schluss, dass der 65-Jährige zum Zeitpunkt der Morde voll schuldfähig war und folgte damit im wesentlichen einem psychiatrischen Gutachter. Ein Sexualmediziner hatte dem Mann dagegen einen sadistischen Sexismus bescheinigt. Deshalb sei zumindest bei den ersten beiden Morden eine Minderung der Schuldfähigkeit wahrscheinlich und in den Fällen drei und vier nicht auszuschließen.

Angehörige verfolgen Urteilsverkündung

Im voll besetzten Saal 232 verfolgten auch Angehörige die Urteilsbegründung. “Ich möchte jetzt einen Schlussstrich ziehen, das dauert natürlich”, sagte Heidi Heims, die Schwester eines der Opfer. Der Angeklagte habe sein Leben gelebt, was ihrer Schwester nicht möglich gewesen sei. “Das ist für mich Genugtuung, dass er jetzt weggesperrt wird.”

Der Angeklagte selbst “wirkte innerlich aufgewühlt”, wie sein Verteidiger sagte. Er werde nun eine Revision prüfen. Sollte das Urteil Rechtskraft erlangen, könnte er frühestens nach 15 Jahren wieder auf freien Fuß kommen. Dann wäre der fünffache Frauenmörder aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) knapp 80 Jahre alt.

Staatsanwalt Daxenberger sprach von einer nachvollziehbaren Entscheidung, die von ihm beantragte Feststellung der besonderen Schwere der Schuld zu verneinen. Er werde dennoch Revision prüfen.

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