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Henkel will am Fraktionschef festhalten

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28.04.2012

Plagiats-Affäre Henkel will am Fraktionschef festhalten

Florian Graf gibt seinen Doktortitel zurück – CDU stärkt ihm den Rücken.

Berlin – Trotz der Plagiatsaffäre lehnt der Berliner CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel einen Rückzug von Fraktionschef Florian Graf ab. Die Entscheidung, den Doktortitel zurückzugeben, verdiene „großen Respekt“, sagte Henkel am Samstag der Nachrichtenagentur dapd. Graf sei ein „ausgezeichneter Fraktionsvorsitzender, der meine volle Unterstützung genießt“. Damit sei für ihn die Debatte beendet. Ähnlich hatte sich zuvor auch Fraktionsvize Stefan Evers geäußert.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Graf bei der Universität Potsdam die Rückgabe seines 2010 erworbenen Doktortitels beantragt hat. Er habe an einigen Stellen in der Dissertation „wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet“, erklärte der Unionspolitiker. Die Universität sprach von „Plagiatsverdacht“.

Graf hatte sich in seiner Dissertation mit dem Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung am Beispiel der Berliner CDU von 2001 bis 2006 beschäftigt. Die Arbeit hatte bislang wegen der geplanten Veröffentlichung in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ einem Sperrvermerk unterlegen und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das sei ein übliches, aber nicht allzu häufiges Verfahren, wenn ein Medium Interesse an der Erstveröffentlichung des Inhalts einer solchen Arbeit hat, erläuterte der Fraktionssprecher.

Nach Angaben der Universität Potsdam war zunächst die Sperrfrist am 24. und 25. April überprüft worden. Nachdem dann Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation aufgekommen waren, habe die zuständige Dekanin eine Prüfung veranlasst. „Daraus ergab sich ein Plagiatsverdacht, zu dem Dr. Graf um Stellungnahme gebeten wurde.“ Daraufhin hat Graf nach Darstellung der Universität den Antrag auf Entziehung des Doktorgrades gestellt. Über den Antrag wolle der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät am Mittwoch (2. Mai) entscheiden.

Graf verweist in seiner Erklärung darauf, dass ihm selbst jetzt bei der Erarbeitung des Manuskripts für die Zeitschrift „Zweifel gekommen“ seien, ob er den sich selbst gestellten Ansprüchen „auch im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit gerecht werden kann“. Da er dem nicht gerecht werden könne, habe er die Konsequenzen gezogen.

Graf will die Frage nach dem Verbleib im Amt in die Hände seiner Kollegen legen. In einer Sondersitzung soll am kommenden Donnerstag (3. Mai) in geheimer Abstimmung die Vertrauensfrage gestellt werden. Der 38-Jährige führt die Fraktion erst seit Dezember 2011. Dabei betonte Fraktionsvize Evers am Samstag die Kompetenz des Vorsitzenden. Die Fraktion schätze Grafs fachliche Kompetenz und seinen menschlichen Anstand, sagte Evers dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

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