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Hapag-Lloyd verschiebt Börsengang

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21.03.2012

Verluste Hapag-Lloyd verschiebt Börsengang

Konzern will erstmal Geld verdienen – Vorstandschef kündigt kräftige Preiserhöhungen an.

Hamburg – Die größte deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd will nach Millionenverlusten so schnell es geht wieder eine Dividende an die Aktionäre zahlen und so Druck vom künftigen Haupteigentümer Hamburg nehmen. Der Vorstandsvorsitzende Michael Behrendt sagte, 2012 sei das „höchste Ziel“, den Aktionären wieder eine Dividende zu verschaffen. Er will die Reederei mithilfe massiver Preiserhöhungen nach dem Verlustjahr 2011 wieder in die schwarzen Zahlen führen. Die SPD-geführte Hamburger Landesregierung steht wegen einer geplanten Aufstockung der Anteile an Hapag-Lloyd auf Kredit unter dem Druck der Opposition.

2011 hatte die Hamburger Reederei nach einem verheerenden Preiskampf in der Branche einen Nettoverlust von 29 Millionen Euro eingefahren. Noch 2010 war ein Gewinn von 430 Millionen Euro erzielt worden, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Behrendt sagte, „weitere Ratenerhöhungen im Lauf des Jahres sind zwingend“.

Kosten von etwa 450 Millionen Euro habe 2011 allein der höhere Ölpreis verursacht, sagte der Manager. Auch 2012 lasten die erneut höheren Treibstoffpreise auf der Firma. 2011 hatten alle Containerreederien wegen eines Preiskampfes hohe Verluste eingefahren.

Nach Einschätzung des Vorstandschefs wird die Lage der Reederei 2012 Schritt für Schritt besser werden: Das erste Quartal sei in der Containerschifffahrt wegen des chinesischen Neujahrsfestes traditionell schwach. Das zweite Quartal werde besser, und das dritte Quartal, die Hochsaison der Seetransporte, „könnte vernünftig und auskömmlich ausfallen“, sagte Behrendt. Er nannte als Geschäftsziel „ein positives Ergebnis“.

Ein Teil-Börsengang von Hapag-Lloyd noch 2012 wird unterdessen sehr unwahrscheinlich: Behrendt sagte, um Vertrauen bei Investoren aufzubauen, müsse ein Kandidat mindestens zwei stabile Quartalsergebnisse vorweisen. Angesichts des traditionell schwachen ersten Quartals wäre damit die Bedingung frühestens im November erfüllt, wenn die Ergebnisse für das dritte Quartal vorliegen.

In der kommenden Woche will Hamburg seinen Anteil an der Reederei um 420 Millionen Euro auf 37 Prozent aufstocken und wird nach der erwarteten Zustimmung des Landesparlaments größter Aktionär. Das Konsortium Albert Ballin mit der Stadt, dem Speditionsunternehmer Michael Kühne und Banken und Versicherungen käme dann auf fast 80 Prozent der Anteile an der Reederei, TUI hält dann noch etwa 22 Prozent.

Das Konsortium war 2008 bei Hapag-Lloyd eingestiegen. Die Stadt wollte damit die Übernahme durch einen Konkurrenten vermeiden, der möglicherweise die Firmenzentrale in Hamburg geschlossen und Tausende Beschäftigte entlassen hätte.

Firmenchef Behrendt sagte, langfristig brauche Hapag-Lloyd Ankeraktionäre, die mindestens 51 Prozent der Anteile halten, um die Gefahr der Verlagerung auszuschließen. Der Hamburger Lokalpatriot Kühne wäre für ihn eine Lösung.

Die Stadt Hamburg wolle ihre Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd „in einem absehbaren Zeitraum“ weiterverkaufen, hatte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) schon vor Wochen gesagt. Allerdings müsse der Verbleib der Reederei in Hamburg sicher sein.

1.100 Mitarbeiter sind direkt bei Hapag-Lloyd in der Stadt tätig. Insgesamt sind nach Schätzungen aber 20.000 Jobs in der Region mittelbar von Hapag-Lloyd abhängig, denn das Schifffahrtsunternehmen ist der größte Kunde des Hafens.

Der Reisekonzern TUI will sich ganz von der Reederei trennen, mit dem Verkaufserlös Schulden zurückzahlen und das Touristikgeschäft erweitern.

Der von Hamburg geplante Kauf weiterer Anteile birgt nach Einschätzung von Experten hohe Risiken für die Hansestadt. „Ich habe Zweifel daran, ob der Steuerzahler der ideale Investor ist“, sagte Justus Haucap von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität am Dienstagabend vor dem Haushaltsausschusses der Bürgerschaft. Der Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie ist skeptisch, ob die Stadt dabei ein Geschäft ohne hohe Risiken eingeht. Am Freitag (23. März, 17.00 Uhr) wird der Senat angehört, am 28. März soll die Bürgerschaft über den angekündigten Zukauf abstimmen.

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