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Hannovers zweite Reise in die verbotene Stadt

© dapd

07.03.2012

Europa-League Hannovers zweite Reise in die verbotene Stadt

96-Fans müssen in Lüttich erneut draußen bleiben.

Hannover/Lüttich – Ende des 19. Jahrhunderts wurden um die Lütticher Innenstadt herum erste moderne Festungen gebaut. Angreifer sollten abgeschreckt, Eindringlinge abgewehrt werden. Rund 130 Jahre später bleibt der Kern der wallonischen Metropole erneut versperrt – zumindest den Anhängern von Hannover 96. Bürgermeister Willi Demeyer will es so. Aus Sicherheitsgründen. Erst kurz vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstagabend (21.05 Uhr) beim belgischen Pokalsieger Standard Lüttich dürfen die 96-Fans am Stadion vorfahren. Nach 90 Minuten Fußball ist es dann mit der Gastfreundschaft aber schon wieder vorbei.

Demeyer will deutsche Nummernschilder nur noch von hinten und bloß nicht im Stadtzentrum sehen – wie schon beim ersten Duell der beiden Klubs vor gut drei Monaten in der Gruppenphase. „Diese Entscheidung wird dem Wettbewerb nicht gerecht. Die Europa League lebt doch davon, dass Fans reisen, neue Städte und Kulturen kennenlernen“, sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke der Nachrichtenagentur dapd: „Das wird unseren Anhängern in diesem Fall vorenthalten.“ Auffällig geworden sind Hannovers Fans bisher nicht – allenfalls durch das Abbrennen von Pyro-Technik. Große Krawalle? Gab es nicht.

Schmadtke sieht die Gründe für Lüttichs Verbarrikadierung folglich an anderer Stelle. „Ich denke, Standard hat auch ein Stück weit Angst vor seinen eigenen Fans. Die scheint man nicht so ganz im Griff zu haben“, sagte der Manager. In der Tat haben Lüttichs Anhänger nicht gerade den besten Ruf. In der Qualifikation zur Champions League leistete man sich in der nun gesperrten Innenstadt eine brutale Straßenschlacht mit den Fans des FC Zürich. Eine Wiederholung derartiger Eskalationen will man sich in Lüttich ersparen – ganz im Sinne der UEFA.

„Unsere oberste Priorität ist immer die größtmögliche Sicherheit“, sagte die Pressestelle der Europäischen Fußball-Union auf Anfrage der dapd: „Wenn die lokalen Behörden gewisse Maßnahmen für wirkungsvoll erklären, folgen wir diesen Empfehlungen.“ Also müssen die 96-Fans draußen bleiben. Einem Teil der Anhänger scheint da die Lust auf die Europa-Tour vergangen zu sein. Das Kartenkontingent wurde nicht ausgeschöpft.

„Ideal ist das ganz sicher nicht. Wir hätten schon ganz gern die volle Unterstützung unserer Fans gehabt“, sagte Schmadtke, der gegen den derzeitigen Tabellenfünften der belgischen Jupiler League ein „kompliziertes und schwieriges Spiel in heißer Atmosphäre“ erwartet. Doch die Fan-Problematik ist nicht die einzige Sorge, mit dem der 96-Tross am Mittwoch um 11.00 Uhr in das Flugzeug in Richtung Achtelfinal-Hinspiel stieg. Jan Schlaudraff ist gesperrt. Mohammed Abdellaoue und Manuel Schmiedebach fehlen verletzt. Auch der Einsatz des angeschlagenen Abwehrchefs Emanuel Pogatetz ist nicht sicher.

„Ich bin trotzdem optimistisch, dass wir das Viertelfinale erreichen werden“, sagte 96-Klubchef Martin Kind. Schmadtke ergänzte: „Auch ich sehe gute Chance auf ein Weiterkommen. Wir haben gegen Lüttich schließlich noch etwas gut zu machen.“ In der Gruppenphase gab es ein 0:0 daheim und ein 0:2 bei den im laufenden Wettbewerb noch ungeschlagenen Belgiern. „Es ist sicherlich gut, dass wir den Gegner einschätzen können“, sagte Schmadtke.

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