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Hamburger Taxifahrer gesteht Entführung einer Frau

© dapd

18.01.2012

Taxi Hamburger Taxifahrer gesteht Entführung einer Frau

57-Jähriger sperrte sein Opfer stundenlang in Kofferraum ein.

Hamburg – Ein wegen Entführung einer Frau angeklagter Taxifahrer hat am Mittwoch zu Beginn des Prozesses in Hamburg die Tat weitgehend zugegeben. Darüber hinaus wolle sich der 57-Jährige jedoch nicht zu Einzelheiten der Tat äußern, erklärte sein Verteidiger vor dem Landgericht. Eine an das Opfer gerichtete schriftliche Entschuldigung liegt dem Gericht vor.

Die Frau war am Morgen des 4. September 2011 in der Nähe der Amüsiermeile Reeperbahn in das Taxi eingestiegen. Die 33-Jährige sagte am ersten Verhandlungstag aus, der Taxifahrer habe sie nach kurzer Fahrt an den Kopf geschlagen, sie gepackt und beim Halt an einer belebten Hauptstraße in den Kofferraum des Wagens gesperrt. Sie habe vergeblich um Hilfe geschrien und versucht, sich zu wehren. “Ich flehte ihn an, mich gehen zu lassen, ich bot ihm dafür Geld an”, sagte das Opfer. Im Kofferraum rief die Frau über ihr Handy die Notrufnummer der Polizei an.

Nach einiger Zeit – es kam ihr wie eine Stunde vor – habe der Taxifahrer angehalten und ihr gedroht, sie umzubringen. Er habe an dem stehenden Wagen gewackelt, um sie zu ängstigen. “Ich dachte, er versenkt mich mit dem Auto in einem See und ich ertrinke.”

Eine Polizistin, die mit der Frau telefoniert hatte, hatte den Täter rufen hören: “Du kommst nicht raus. Du kannst da drin sterben.” Das geht aus dem Notruf-Protokoll hervor, aus dem die Richterin zitierte.

Einige Stunden nachdem sie die Polizei angerufen hatte, hörte die Entführte Hubschrauber und Sirenen. Mehrere Streifenwagen seien auf der Suche nach ihr offenbar vorbeigefahren. Erst gegen Mittag, mehr als fünf Stunden nach der Entführung, wurde die Frau letztendlich von der Schwägerin des Täters im schleswig-holsteinischen Hasloh aus dem Auto befreit. In dem Ort wohnen die Eltern des Angeklagten, zeitweilig auch er selbst.

Das Motiv für die Tat ist bislang unklar. Der Angeklagte gab zu Protokoll, einmal vergeblich versucht zu haben, den Kofferraum zu öffnen. Er sei aber gescheitert, auch weil er “zu müde und zu betrunken” gewesen sei. Der Rechtsanwalt des Opfers sagte, ihm sei das Handeln seines Mandanten schleierhaft, das Motiv unbekannt. Der Angeklagtes sei in seinem Leben bis zur Tat lediglich durch Alkohol am Steuer strafrechtlich aufgefallen. Er stehe für die Tat ein.

Ein vom Angeklagten vor Monaten aufgesetztes Entschuldigungsschreiben wurde am Mittwoch nicht im Beisein des Opfers verlesen. “Ich kann keine Entschuldigung annehmen”, sagte sie 33-Jährige. Sie leide unter Angstzuständen. “Seit der Tat bin ich ein ganz anderer Mensch als vorher. Schwach und klein. “

Im weiteren Verlauf des Prozesses sollte ein Notruf-Mitschnitt gehört und die Entschuldigung des Angeklagten verlesen werden. Die 33-Jährige wird dann nicht dabei sein, sie wurde nach ihrer Aussage als Zeugin entlassen.

Über seinen Werdegang hatte der Angeklagte mit gefasster Stimme ausführlich Auskunft gegeben. Er sei als Bauunternehmer gescheitert, von Schulden geplagt und bereits seit Jahren alkoholkrank.

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