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Hamburger SV: Das laute Platzen der Seifenblase

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23.01.2012

Hamburg Hamburger SV: Das laute Platzen der Seifenblase

HSV scheitert an Dortmund und verliert viele Illusionen – So schwach wie unter Oenning.

Hamburg – Wie laut platzt eine Seifenblase? Manchmal ohrenbetäubend, unüberhörbar, fast schmerzhaft. Genauso zerbarsten am Sonntag beim Hamburger SV alle Illusionen, all die Hoffnungen auf Besserung in der Rückrunde, all das eingeredete Selbstvertrauen, das Gewäsch vom Angriff auf den Europacup. 1:5 (0:2) gegen Borussia Dortmund ist stattdessen die Realität. Puff. Der HSV ist geschockt.

Seit Trainer Thorsten Fink am 17. Oktober bei den Hanseaten anheuerte, war es im Grunde nur bergauf gegangen. Acht Spiele in der Liga ungeschlagen. Weg von Platz 18. Allerdings gab es auch nur zwei Siege. Und es gab kein Spiel unter Fink gegen eines der Top-Teams der Liga, keine Partie gegen eine Mannschaft aus den besten Fünf. Gegen die wurde überwiegend noch unter Michael Oenning verloren. Der ist jetzt weg.

“Ich habe nie gedacht, dass so ein Spiel noch möglich ist”, sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen nach der Demontage durch den Meister. Auch Fink wusste so schnell keinen Rat: “Wir müssen jetzt sehen, woran das lag. Wir werden diese Partie in Einzelgesprächen auseinandernehmen.” Von kurzfristigen Neuzugängen wollen sie aber absehen in Hamburg, nur keine Panik schüren, sondern Vertrauen vermitteln.

Voller Optimismus waren Fink und das Team aus dem Trainingslager zurückgekehrt. Stimmung und Spannung, alles bestens. Das System wurde verfeinert, hieß es, die Abläufe passten. Doch all das scheint irgendwo auf dem Weg zwischen Marbella und Hamburg verloren gegangen zu sein. Das schwache abschließende Testspiel gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld vor einer Woche hätte eigentlich schon Warnung sein müssen.

Der Trainer Fink steht jetzt vor seiner ersten ganz großen Bewährungsprobe. Fünf Tage hat er Zeit, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen. “Kein Mut, keine Courage und zu viele verlorene Zweikämpfe”, warf er seinen Spielern vor. Die aggressive Dortmunder Vorneverteidigung brachte den HSV von Beginn an völlig aus der Spur. “Wir verteidigen als Mannschaft nicht gut, so entstehen Großchancen, und die nutzt eine Mannschaft wie Dortmund eiskalt aus”, stellte der völlig enttäuschende Marcell Jansen fest.

Kevin Großkreutz (16.), Robert Lewandowski (37., 83.) und Jakub Blasczykowski (58., 74., Foulelfmeter) trafen gegen die überforderte HSV-Abwehr fast nach Belieben. Bei Paolo Guerreros Treffer (86.) von einem “Ehrentor” zu sprechen, verbietet sich. “Wir haben schlecht gespielt, weil wir von Anfang an zu viel Respekt vor Dortmund hatten”, sagte der Peruaner.

Der Respekt und die Mutlosigkeit zeigen die ganze Fragilität in dem HSV-Konstrukt. Das zentrale Mittelfeld mit Gojko Kacar und Robert Tesche erwies sich gegen die Dortmunder als überfordert, der Abwehr fehlte es an Konsequenz und Ordnung, der Angriff an Durchschlagskraft und Inspiration. Es war eine Lehrstunde. “Ich habe den Abstiegskampf nie abgeschrieben”, sagte Fink. Zwei Punkte trennen die Mannschaft nur noch vom Relegationsplatz.

Die Partie am kommenden Sonntag gegen Hertha BSC hat fast schon einen vorentscheidenden Charakter. Das ist ein Kontrahent um den Anschluss ans Mittelfeld, diese Spiele zählen für den HSV und nicht die gegen Dortmund. “Manchmal”, sagt Fink, “ist es besser, einmal 0:4 zu verlieren, als viermal 0:1.”

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