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Händler wollen französischem Outlet-Center trotzen

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23.04.2012

Roppenheim Händler wollen französischem Outlet-Center trotzen

Fabrikverkauf im Elsass zielt auf bis zu zwei Millionen deutscher Einkaufstouristen ab.

Roppenheim/Freiburg – Das Dorf Roppenheim im Elsass war über Jahre der Planung ein rotes Tuch für die deutschen Einzelhändler am Oberrhein. Direkt hinter der Grenze wird dort am Mittwoch das viel kritisierte Outlet-Center eröffnet, das jährlich bis zu zwei Millionen Einkaufstouristen über den Rhein bei Iffezheim locken will. Auch in Frankreich war der mittelalterlich gestaltete Fabrikverkauf mit Elsässer Dorfcharakter wegen seiner Konkurrenz zum Einzelhandel nicht unumstritten – die Sache wurde letztlich vom obersten Verwaltungsgericht in Paris abgenickt. Auf deutscher Seite haben sich Geschäftsleute und Kommunen zusammengetan, um dem Rabattverkauf die Stirn zu bieten.

Ein Kunstdorf auf der grünen Wiese könne mit einer realen, historisch gewachsenen Innenstadt nicht mithalten, lautet einhellig das Credo in Baden-Baden, Karlsruhe, Rastatt, Bühl oder Ettenheim. Verwiesen wird auf das kulturelle und kulinarische Angebot der badischen Städte ebenso wie auf Parks und den spontanen Einkaufsbummel, ohne die mühsame Anfahrt über eine einspurige Rheinbrücke.

Die Investoren haben rund 8,4 Millionen potenzieller Kunden beidseits der Grenze in einem Umkreis von 90 Autominuten im Visier. Die spanische Immobiliengruppe Neinver und der niederländische Entwickler kommerzieller Immobilien MAB Development hätten sich zwar viel Mühe gegeben, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen, erkennt der City-Manager von Karlsruhe, Sascha Binoth, an. „Rund 27.000 Quadratmetern in Roppenheim stehen aber 183.000 Quadratmeter allein in Karlsruhe gegenüber“, sagt er der Nachrichtenagentur dapd. Während in „The Style Outlets“ letztlich insgesamt 111 Geschäfte hauptsächlich Kleidung anbieten sollen, gebe es allein in der Karlsruher Innenstadt mehr Möglichkeiten, Schuhe zu kaufen.

Betont werden von Wirtschaftsförderung und Handelsverband Südbaden die eigenen Stärken, die von Inhabern geführten Fachgeschäfte, der Service und die Qualität. „Und die viel gepriesenen Rabatte erhält man auch bei uns“, betont Binoth. Schließlich werde in Roppenheim Vorjahresware verkauft.

Carl-Georg Gruner, der seit Anfang April in Baden-Baden die eigens neu geschaffene Position eines City-Managers innehat, verweist darauf, dass die richtig teuren Marken in Roppenheim nicht zu finden seien. Die aber biete Baden-Baden sehr wohl, einschließlich einer hochwertigen Gastronomie.

Trotzdem hat man das warnende Beispiel Zweibrücken in Rheinland-Pfalz vor Augen, wo derselbe Outlet-Betreiber aktiv ist. „Dort hat das Stadtbild ordentlich gelitten, ist zum Teil richtig ausgeblutet“, sagt Martin Lautenschlager, Wirtschaftsförderer der Stadt Baden-Baden. Von Inhabern geführte Geschäfte gebe es kaum noch. „Auch wir müssen uns vor Augen halten, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann“, sagt Lautenschlager. „Aber wir haben Stärken, die ein gutes Fundament sind.“

Jetzt heiße es abzuwarten, wie sich die Konkurrenz auswirke, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, Manfred Noppel. Das Kunstdorf jenseits des Rheins trumpft zur Einweihung an drei Tagen mit kostenlosen Zubringerbussen auf. Von Baden-Baden, aber auch von Karlsruhe und Straßburg aus, geht es ins blumengeschmückte Einkaufsparadies, künstlicher See, persönlicher Shopping-Berater sowie zweisprachige Kinderbetreuung inklusive.

Die Einzelhändler jedenfalls haben mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass erst 70 Prozent der Läden in Roppenheim vermietet sind. „Da sind einige Markenhersteller offenbar noch reichlich am Überlegen“, sagt Binoth. „Einen 30-prozentiger Leerstand in einer Innenstadt würde man zumindest als sehr verwunderlich empfinden.“

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