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14.04.2015

Gymnasiallehrer Beim Niedergang der Handschrift gegensteuern

„Das ist eine Kulturtechnik, die wir nicht aufgeben dürfen.“

Berlin – Der Vorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat dazu aufgerufen, beim Niedergang der Handschrift gegenzusteuern. „Das ist eine Kulturtechnik, die wir nicht aufgeben dürfen“, sagte der Bundesvorsitzende der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Je mehr die Digitalisierung zunehme, desto schlechter werde die Handschrift. Es fehle die Übung.

„Ich hoffe sehr, dass Abiturienten auch 2050 noch flüssig schreiben können“, betonte Meidinger. Denn es gebe Situationen, in denen Schülerinnen und Schüler auf ihre Handschriften angewiesen seien, nicht nur dann, wenn der Computer ausfalle. „Einige Top-Konzerne verlangen bei Bewerbungen einen handschriftlichen Lebenslauf“, sagte der Verbandschefs, der 90.000 Gymnasiallehrer vertritt.

In einer Umfrage hatten jüngst 79 Prozent der Lehrer an weiterführenden Schulen erklärt, ihre Schüler hätten Probleme mit der Handschrift. Meidinger äußerte sich auch sehr kritisch zu der Entwicklung, dass immer mehr Schüler in Deutschland keine Schreibschrift mehr lernen und ihnen stattdessen eine neue Grundschrift beigebracht wird, die der Druckschrift ähnelt.

„Ich halte es für fahrlässig und falsch, was sich inzwischen einige Bundesländer erlauben“, sagte Meidinger. Bei der Grundschrift würden Buchstaben nebeneinander gesetzt, dabei sei das Erlernen einer gebundenen Handschrift ein elementarer individueller Lernprozess für jedes Kind. „Dies fördert nachgewiesenermaßen den Gedankenfluss“, unterstrich Meidinger. „Damit treibt man letztendlich eine allgemeine Bildungsarmut voran“, erklärte der Philologen-Vorsitzende weiter.

Die Grundschulen seien zum „Experimentierfeld und zur Spielwiese reformwütiger Unidozenten“ geworden. Die Folge sei, dass es keine einheitlich gelehrte Schrift mehr gebe. Jeder schreibe, wie er wolle. Zudem verlangsame sich das Schreibtempo. Nach den Worten von Meidinger ist das Konzept schon einmal gescheitert. 1916 habe der Pädagoge Fritz Kuhlmann in seiner Arbeitsschule versucht, die Grundschrift einzuführen. „Aufgrund der schlechten Ergebnisse wurde das Projekt wieder aufgegeben“, erklärte Meidinger.

Ärgerlich sei, dass nun zum wiederholten Male „selbstherrliche Grundschuldidaktiker“ Neuerungen ohne ausreichende Praxiserfahrung einführen wollten. Beispiel für weitere verfehlte Reformen seien neben der Mengenlehre die Schreiblernmethode nach Gehör ohne Rücksicht auf die Rechtschreibung.

Wie viele Grundschulen bereits ausschließlich mit den Druckbuchstaben arbeiten, ist nicht bekannt. Erlaubt ist die Grundschrift unter anderem in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Thüringen. Nordrhein-Westfalen war 2003 das erste Land, in dem Grundschulen die Grundschrift einführen konnten.

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