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Guerrero und das Super-Foul

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04.03.2012

Hamburger SV Guerrero und das Super-Foul

Wieder Aussetzer beim HSV-Profi – Glück für Ulreich – „Chaot, Schwachmat, Vollpfosten“.

Hamburg – Volkes Meinung war noch nie so einhellig in dieser Saison. Vom Stehplatzfan im Forum bis zum Meistertrainer im TV-„Doppelpass“ war man sich einig. Paolo Guerrero hat das „schlimmste Foul der Saison“ (Bild) begangen. Er hat Sven Ulreich „mit sechzig Metern Anlauf, völlig wahnsinnig“ (Jürgen Klopp) umgetreten.

„Das geht gar nicht“ (Marcell Jansen), der Deutsche Fußball-Bund „muss jetzt ein Zeichen setzen“ (Thomas Strunz). Guerreros Aktion war „unsportlich, dumm, gefährlich und eine Schande“ (danu27) und überhaupt: Der Peruaner ist ein „Chaot, Schwachmat, Vollpfosten“ (hsv-vb).

In der 54. Minute hatte der Stürmer bei der 0:4 (0:2)-Niederlage seines Hamburger SV gegen den VfB Stuttgart Torwart Ulreich an der Eckfahne attackiert. Gestrecktes Bein voraus, von hinten in die Kniekehle, ohne Chance den Ball zu treffen. Pures Glück, dass es keine schwere Verletzung gab. „Das muss man sich vorstellen“, sagte Klopp, „Guerrero hat Frust und Ulreich muss eventuell seine Karriere beenden.“

Dieses möglich Horrorszenario ist glücklicherweise nicht eingetreten. Ulreich berichtete in der Mixed-Zone von einer kurzen Entschuldigung Guerreros und wollte das Foul nicht weiter kommentieren. Da hatte er die Szene aber wahrscheinlich noch nicht im Fernsehen gesehen: „Ich weiß nicht, warum er da so reingeht.“

Wahrscheinlich weiß Guerreros das selber nicht. Jedenfalls hat er mit dem erneuten Ausraster ein weiteres unrühmliches Kapitel seiner Skandal-Chronik geschrieben. Er ist schon durch den Flaschenwurf gegen einen Zuschauer Anfang April 2010 aufgefallen und durch die „Flugangst-Affäre“, als er zum Jahresbeginn 2010 seinen Aufenthalt in Peru verlängerte, weil er in kein Flugzeug steigen konnte. Tatsächlich hatte Guerrero zuvor in der Bundesliga noch nie Rot oder Gelb-Rot gesehen, was auch Klopp wunderte: „Das hätte ich nicht gedacht.“

In seiner Nationalmannschaft ist er allerdings schon einschlägig aufgefallen: So soll er im Juli 2009 im Länderspiel gegen Ecuador einen Fan zu einer Schlägerei aufgefordert haben, nachdem dieser ihn als homosexuell bezeichnet hatte. Wenig später beleidigte er nach einem Feldverweis gegen Uruguay den Schiedsrichter schwer und wurde daraufhin von der FIFA sechs Spiele gesperrt.

Es gibt wohl kaum einen Spieler, bei dem sportliches Potenzial und das Auftreten in einem größeren Gegensatz stehen. In den letzten Wochen war Guerrero der beste HSV-Stürmer. Hoch engagiert, mit großem Einsatz, immer auch Zielscheibe harter Attacken der gegnerischen Verteidiger. Nun brannten die Sicherungen durch. „Er ist Südamerikaner und auch nur Mensch“, sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen, „er ist ein Junge, der alles gibt, jetzt hat er seinen Kopf verloren.“

Neben der zu erwartenden wochenlangen Sperre durch den DFB wird der HSV intern eine saftige Geldstrafe verhängen. Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Die HSV-Fans haben die Nase voll, der 28-Jährige ist mit 4,6 Millionen Euro im Jahr Top-Verdiener im Verein. Der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Gehaltsscheck und das mannschaftsinterne Gefüge stimmt nicht. Sein Vertrag endet erst 2014, dennoch ist für die Fans überwiegend klar: „Er ist es nicht wert, das Trikot mit der Raute zu tragen“ (Barmbeker Jung).

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