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Großburgwedel am Tag des Rücktritts

© dapd

17.02.2012

Wulff-Rücktritt Großburgwedel am Tag des Rücktritts

Straßengespräche zwischen Medienschelte, Bedauern und Frotzelei.

Großburgwedel – Die Frau mit dem roten Stirnband im brünetten Haar winkt lachend. Es ist Punkt 11 Uhr am kleinen Bahnhof von Großburgwedel, dem Wohnort von Christian Wulff bei Hannover. In diesen Minuten tritt er gerade in Berlin vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Doch das interessiert die Frau nicht. Als der Zug mit ihrer Tochter langsam losfährt, läuft sie noch ein paar Schritte mit, winkt und wirft Küsse. “Tschüss!”

“Wird ja auch Zeit jetzt”, sagt die Frau zum Rücktritt, als der Zug nicht mehr zu sehen ist. “Die Italiener lachen sich einen Ast über uns und die Griechen auch.” Die Frau wohnt in einem Nachbarort von Großburgwedel.

“Hier muss es irgendwo sein”, sagt sie nach einer kurzen Autofahrt. Das Haus der Wulffs, das für viele Schlagzeilen gesorgt hat, hat sie sich nie angesehen. Wulff selbst hat sie aber beim Einkaufen gesehen. “Der Supermarkt wurde immer voller wenn er da war – keiner ging mehr raus, dafür kamen mehr Leute rein.” Das Haus der Wulffs interessiert sie aber auch heute nicht. Sie muss zurück in den Nachbarort Isernhagen – gleich bringt ein Bauer das Futter für ihre Pferde vorbei.

Es ist 11.15 Uhr, Wulff hat seinen Rücktritt bereits verkündet. In Großburgwedel steht ein Nachbar in Pantoffeln gerade am Briefkasten. Missmutig wählt er einen Moment lang seine Worte, dann sagt er es geradeheraus: “Der hat sich dumm verhalten.” Besser wäre es gewesen, wenn Wulff von Anfang an keinen Kommentar gegeben hätte. “Und dann auch noch bei der Presse anzurufen, der muss total ausgerastet sein.” Beim Einkaufen werde man Christian Wulff in Großburgwedel in nächster Zeit nicht treffen, meint der Nachbar. “Das werden seine Frau oder ihre Eltern erledigen.”

Eine Frau mit silbergrauem Haar radelt an der kleinen Sackgasse vorbei, in der das Wulff’sche Haus steht. Für einen kleinen Schnack steigt sie gern vom grünen Hollandrad. “Ich hoffe, das hinterlässt keinen seelischen Schaden, vor allem bei den Kindern”, sagt sie. “Wie unverschämt die Reporter sind. Viele scheinen richtig Spaß daran zu haben, andere in die Pfanne zu hauen.”

Vielen Politikern gehe dadurch zwar der “Hintern auf Glatteis. Aber diejenigen, die jetzt am lautesten Schreien, die kungeln alle mindesten genauso viel wie Wulff”, sagt die Frau.

Derweil biegt ein Polizeiwagen in die Sackgasse ein, um nach dem Rechten zu sehen. Kurz darauf fährt er wieder auf die Hauptstraße. Alles in Ordnung. Auch der Basketballkorb im gepflasterten Vorgarten ist noch da. “Nothing can stop you”, steht darauf. “Vielleicht wird er ja auch gar nicht schuldig gesprochen”, sagt die Frau noch. Dann radelt sie weiter zum Einkaufen.

Zwei Straßen weiter stehen einige Eltern vor einer Schule, es ist 12.15 Uhr, gleich kommen die Kinder raus. Eine Frau hält einen Schulranzen in der Hand, ihr Griff verkrampft sich, als sie den Namen Wulff hört. “Wenn bei jedem so tief gegraben wird, haben wir bald gar keine Politiker mehr”, sagt sie. “Diese Hetzjagd ist ja fürchterlich”, pflichtet ihr ein wartender Vater bei. “Was hat mir der getan – nichts”, sagt sie und ihr Atem wird schwerer.

Dann bricht es heraus: “Die Medien haben das für ihre Quoten total hochgespielt.” Die beiden sind sich einig: “Die Aufregung und Fernsehteams hier, das ist doch total übertrieben – jeder Mensch macht Fehler.”

In einem Restaurant einige Meter weiter hängt im Gang zu den Toiletten ein Zeitungsartikel von 2009, als Wulff gerade frisch hierher gezogen ist. Zwei ältere Männer warten bei Weißwein auf das Mittagessen. Zu Wulff wollen sie sich nicht äußern. “Nur so viel”, sagt der eine Herr zum anderen: “Das Amt musst Du jetzt wohl übernehmen.”

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