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Großbritannien zieht doch in den Währungskrieg

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21.02.2013

Anleihekauf-Programm Großbritannien zieht doch in den Währungskrieg

Das britische Pfund geht gegenüber Euro und Dollar wieder auf Talfahrt.

London – Sir Mervyn King, Direktor der Bank of England, befindet sich im Endspurt. In wenigen Monaten wird er sein Amt an den Kanadier Mark Carney abgeben, den die britische Regierung zu einem Premiumgehalt von 874.000 Pfund (eine Million Euro) Jahresgehalt einkaufte. Doch bevor Sir King sein Amt niederlegt, löst er auf den Märkten noch einmal Tumulte aus. Nachdem am Mittwoch Spekulationen um ein neues Anleihekauf-Programm der Bank of England bekannt wurden, sackte das Pfund auf seinen tiefsten Stand seit Monaten.

Die britische Währung fiel um 0,8 Prozent auf 1,5279 Dollar. Gegenüber dem Euro rutschte die britische Währung allerdings noch tiefer ab. Für einen Euro müssen nunmehr 87,64 Pence hingelegt werden, so viel wie seit 16 Monaten nicht mehr.

Anleihekauf schmeckt nach Verzweiflung

Viele Ökonomen hatten eine weitere Ausweitung der Anleihekäufe schon abgeschrieben. Denn Zentralbank-Chef King hatte noch vergangene Woche versichert, dass die Notenbank zur Ankurbelung der Wirtschaft schon nahezu alles getan habe, was in ihrer Macht stehe. Doch zur Überraschung aller stimmte King jetzt zusammen mit zwei anderen Mitgliedern des geldpolitischen Rates für weitere Anleihekäufe. Und das im Wert von 25 Milliarden Pfund (28,7 Milliarden Euro). Es sprachen sich zunächst zwar nur drei der neun Notenbanker für solch einen Schritt aus. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass 3:6-Entscheidungen trotzdem später oft noch mehrheitsfähig werden.

Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der Ratsversammlung besagt, die Notenbanker seien sicher, dass durch die Unterstützung von Vermögenspreisen und die Senkung langfristiger Zinsen quantitative Lockerungen britische Exporte in die Höhe treiben werden. Weitere Lockerungen könnten zudem „einen möglichen Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Verlust von Produktionspotenzial verhindern“.

Der Währungsexperte Paul Robson von der Royal Bank of Scotland sagte der Financial Times: „Niemand hat erwartet, dass die Bank den Pfad der quantitativen Lockerung einschlagen würde. Dieser Schritt würde nach Verzweiflung schmecken.“

G20-Beschlüsse schon vergessen

Vor weniger als einer Woche hatten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer beim G20-Gipfel in Moskau gegen jeden Währungskrieg ausgesprochen. Sie verpflichteten sich, künftig die Wechselkurse nicht mehr künstlich niedrig zu halten, um sich Wettbewerbsvorteile beim Export zu verschaffen. Dieses Versprechen scheint jedoch für King nur von kurzer Dauer gewesen zu sein, denn eine Aufstockung der Anleihekäufe zielt genau darauf ab und hatte innerhalb von Stunden eine Wirkung.

Pfund unter Druck

Das britische Pfund kam in diesem Jahr schon schwer unter Beschuss. In den vergangenen Wochen stießen Investoren das Pfund billig ab, da sie mit einer Herabstufung der britischen Staatsschulden rechneten. Auch der bevorstehende Chef-Wechsel der Notenbank im Juli macht der Währung zu schaffen. Es wird erwartet, dass Kings Nachfolger Mark Carney eine noch weichere Geldpolitik an den Tag legen, und eine Inflationsrate von über zwei Prozent tolerieren wird. Währungsexperte Geoff Kendrick von der Investmentbank Nomura, sagte der Financial Times: „Die Märkte bereiten sich auf die Möglichkeit einer höheren Inflation in den nächsten Monaten vor.“

Bisher hatte die britische Notenbank Anleihe-Käufe im Wert von 375 Milliarden Pfund (430 Milliarden Euro) getätigt, um der stagnierenden Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

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