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Thilo Sarrazin

© Bundesbank

25.05.2012

Thilo Sarrazin Griechenland mit Berliner Finanzloch vergleichbar

„Unsinnig, zu bejammern, dass es in Griechenland so lange dauert.“

Berlin – Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die Finanzprobleme Griechenlands mit dem Etatloch der deutschen Hauptstadt im Jahr 2002 verglichen. „Ich brauchte in Berlin sechs Jahre voll heftiger Diskussionen und intensiver Arbeit, bis ich den Berliner Haushalt von seinem Haushaltsloch befreit hatte“, sagte der ehemalige Bundesbank-Vorstand in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“. „Deshalb ist es unsinnig, zu bejammern, dass es in Griechenland so lange dauert.“

Griechenlands Defizit habe im Jahr 2010 etwa 24 Prozent des Haushalts betragen, das Berliner Defizit, das er als Finanzsenator übernommen habe, hätte sogar höher gelegen – bei mehr als 25 Prozent. Gute Freunde hätten ihm deshalb nur drei bis sechs Wochen Amtszeit gegeben. Die Sanierung Berlins führt Sarrazin auf „eine Mischung von Einsparanstrengungen und glücklichen Umständen“ zurück. Die realen Ausgaben seien in sieben Jahren um 18 Prozent gesenkt worden. Dagegen hätten die Griechen mit ihrer Konsolidierungspolitik noch immer nicht richtig begonnen. Das Land verbrauche noch immer mehr als es erwirtschafte. Deshalb sei es „unvermeidlich, dass dort parallel zur Konsolidierung auch das Sozialprodukt schrumpft“.

Gleichzeitig wies Sarrazin im „Focus“-Interview Kritik an seinem Holocaust-Zitat aus dem neuen Buch „Europa braucht den Euro nicht“ zurück. „Das war keine bewusste Provokation. Es handelt sich nicht einmal um eine zentrale These meines Buches.“ Er sehe jedoch „aus der schrecklichen deutschen Schuld, die sich aus dem nationalsozialistischen Völkermord ergibt, keine nachwirkende Verpflichtung, für die Schulden anderer europäischer Staaten aufzukommen“. Im Gegenteil dürften wir „aus einer historischen Schuld keine Schuldenberge machen“.

Sarrazin ermahnte in „Focus“ die Politik, sich nicht zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen: „Ich habe mich im öffentlichen Amt immer ganz konsequent auf die Sacharbeit konzentriert und mich aus der Parteiarbeit herausgehalten. Das verhinderte jene Art von Überforderung mit daraus folgenden Fehlern, zu deren Opfer jetzt Norbert Röttgen wurde.“ Er kritisierte, den Politikertyp, der „bis zu 50 Prozent seiner Kraft für Machtsicherung und Machtausbau verwendet“.

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