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Grausige Tötung im Männerwohnheim

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23.04.2012

Hannover Grausige Tötung im Männerwohnheim

Staatsanwältin fordert zwölf Jahre Haft.

Hannover – Nach der Tötung seines Zimmernachbarn in einem hannoverschen Männerwohnheim soll ein 31-Jähriger für mindestens vier Jahre in Haft. Dieses Strafmaß beantragte die Verteidigung am Montag in dem Prozess vor dem Landgericht Hannover. Die Staatsanwaltschaft forderte hingegen zwölf Jahre. Einigkeit herrschte darüber, dass der Angeklagte einen Alkoholentzug machen müsse. Darüber hinaus empfahl Oberstaatsanwältin Christine Stüven, den Mann wegen einer Persönlichkeitsstörung in ein psychiatrisches Krankenhaus einzuweisen.

Der 31-Jährige besitzt einem Gutachten zufolge wegen einer Intelligenzminderung eine geringe Frustrationstoleranz und ist stark reizbar. Nach einem Trinkgelage im September 2011 soll der Angeklagte seinem Opfer gegen den Kopf geschlagen und es mit einer Drahtschlinge gedrosselt haben. Außerdem schnitt er ihm laut Anklage eine 45 Zentimeter lange Wunde in den Rücken.

„Dabei ließ der Angeklagte erhebliches motorisches Geschick erkennen“, sagte Stüven. Es sei nicht vorstellbar, dass er das im Zustand des Vollrausches gemacht habe.

Nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte so viel getrunken, dass er zur Tatzeit 4,8 Promille Alkohol im Blut gehabt haben müsste. Die Anklage geht allerdings nur von einem mittelschweren Rausch aus. Dieser sei „nicht schuldmindernd“ zu gewichten, sagte Stüven.

Aus Sicht von Verteidiger Holger Nitz kann ein Vollrausch indes nicht ausgeschlossen werden. Es seien Fälle bekannt, bei denen die motorischen Fähigkeiten von Gewohnheitstrinkern nicht beeinträchtigt wurden, obwohl sie wegen übermäßigem Alkoholkonsums nicht mehr in der Lage waren, ihr Verhalten zu steuern. Sein Mandant hätte mehrmals zu Protokoll gegeben, dass er zur Tatzeit einen „Filmriss“ hatte. „Wir wissen nichts über die Motivlage und wenig über das Tatgeschehen“, sagte Nitz. „Wenn er sich nicht erinnert, kann er kein objektives Geständnis ablegen.“

Neben dem Vorwurf des Totschlags muss sich der 31-Jährige in dem Verfahren für ein weiteres Gewaltverbrechen verantworten. Bereits einen Monat vor der Tat im Männerwohnheim soll er eine gefährliche Körperverletzung begangen haben. Damals soll er eine Bekannte mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf attackiert und sie kurzzeitig gewürgt haben. Laut Stüven trug die Frau „potenziell lebensgefährliche Verletzungen“ davon.

Verteidiger Nitz wies hingegen darauf hin, dass sich die Frau wegen starken Alkoholkonsums nicht eindeutig an die Vorgänge erinnern könne. Es könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass ein anderer Mann, der ebenfalls bei der Frau zu Besuch war, dieser die Verletzungen zufügte, sagte Nitz. Er forderte in dieser Sache Freispruch für den 31-Jährigen.

Die Forderung der Anklage, seinen Mandanten zusätzlich zur Haftstrafe in ein psychiatrisches Krankenhaus einzuweisen, lehnte Nitz ab. „Der Alkohol ist das ausschlaggebende Problem meines Mandanten“, sagte er. Sobald die Sucht überwunden sei, träten seine anderen Probleme in den Hintergrund.

Am Ende der Verhandlung bat der Angeklagte die Verwandten und Freunde des Getöteten um Entschuldigung. Das Urteil wird voraussichtlich am Freitag (27. April) gesprochen.

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